Gastro Tower Schickeria

Gastro Tower Schickeria Speiselokal, Dart, Radikaldart,Billardroom, Partyroom and Relaxroom

22/05/2026
05/05/2026

Sein Name war Erwin Kreuz. Ein Brauereiarbeiter aus einem kleinen Dorf in Bayern. Ein Junggeselle, der ein ruhiges Leben führte und hart arbeitete. Im Oktober 1977 erfüllte er sich einen lang gehegten Traum.

Er buchte seine erste Reise nach Amerika.

Er war in seinem Leben kaum gereist. Ein Flug nach Berlin. Ein Tagesausflug in die Schweiz. Das war seine gesamte internationale Erfahrung, als er in Deutschland einen Charterflug der World Airways nach San Francisco bestieg.

Er sprach kein Englisch. Kein Wort.

Der Flug war lang. Irgendwo über dem Atlantik döste Kreuz immer wieder ein. Als die Maschine zum Auftanken auf dem Bangor International Airport in Maine landete, beugte sich eine Flugbegleiterin, deren Schicht gerade zu Ende ging, zu ihm und wünschte ihm einen angenehmen Aufenthalt in San Francisco.

Das genügte ihm.

Er glaubte, angekommen zu sein. Er nahm sein Gepäck, stieg aus dem Flugzeug und trat hinaus in die frische Luft von Maine, 4800 Kilometer von Kalifornien entfernt, völlig überzeugt, am richtigen Ort zu sein.

Der Flughafen war kleiner als erwartet. Aber er war noch nie in Amerika gewesen. Vielleicht war das einfach so.

Er hielt ein Taxi an, zeigte auf sich und sagte das eine englische Wort, das er brauchte: „Schlafen.“ Der Fahrer brachte ihn zum Bangor House Hotel. Er checkte ein, ging schlafen und wachte am nächsten Morgen erholt auf, bereit, San Francisco zu erkunden.

Vier Tage lang irrte Erwin Kreuz durch die Straßen von Bangor auf der Suche nach der Golden Gate Bridge.

Ihm fielen die Hügel rund um die Stadt auf, und er fühlte sich beruhigt. San Francisco hatte doch auch Hügel, oder? Er fand zwei chinesische Restaurants und aß in einem davon, da er wusste, wie berühmt San Franciscos Chinatown war. Sicherlich lag der Rest der Stadt gleich um die Ecke.

Als Einheimische versuchten zu erklären, dass er sich in Maine befand, lächelte er höflich und suchte weiter.

Die Wahrheit brach schließlich durch, als das Hotel wegen des Elternwochenendes der University of Maine ausgebucht war und er gebeten wurde, abzureisen. Verwirrt hielt er ein Taxi an und bat den Fahrer, ihn in die Innenstadt von San Francisco zu bringen. Die Reaktion des Fahrers ließ keinen Zweifel daran, dass etwas schiefgelaufen war.

Über einige Kontakte gelangte Kreuz schließlich zu einer deutschsprachigen Frau namens Gertrude Romine. Sie bat ihn in das deutsche Restaurant ihrer Familie in der nahegelegenen Altstadt und erklärte ihm freundlich, aber deutlich, wo er sich befand.

Er war die ganze Zeit in Maine gewesen.

Anstatt sich zu schämen, lachte Kreuz. Und Bangor, anstatt ihn zum Gespött zu machen, nahm ihn herzlich auf.

Die Geschichte verbreitete sich rasend schnell. Die Lokalzeitung berichtete darüber. Nachrichtenagenturen griffen die Meldung auf. Innerhalb weniger Tage las ganz Amerika über den verirrten deutschen Touristen, der vier Tage lang eifrig nach kalifornischen Sehenswürdigkeiten in Neuengland gesucht hatte. Das Time Magazine berichtete darüber. Tom Brokaw lobte die Einwohner von Bangor in der Today Show. Die CBS Evening News sendeten zwei Abende hintereinander Beiträge. Der Spiegel und der Stern berichteten in Deutschland darüber.

Bangor verlieh ihm den Schlüssel zur Stadt. Er traf den Gouverneur. Er wurde zum Ehrenmitglied des Penobscot-Indianerstammes ernannt. Ein Paar im Norden Maines schenkte ihm ein Stück Land in der Hoffnung, er würde zurückkommen und bleiben. Er erhielt drei Heiratsanträge.

Dann lud ihn San Francisco trotzdem ein.

Der San Francisco Examiner flog ihn ein. Bürgermeister George Moscone empfing ihn am Flughafen und überreichte ihm den Schlüssel zur Stadt. Er besichtigte endlich die Golden Gate Bridge, ritt durch Chinatown, wurde bei einem Festessen in die Wong Family Association aufgenommen und erhielt beim Grand National Rodeo stehende Ovationen, wo ihm ein weißer Cowboyhut überreicht wurde.

San Francisco beeindruckte ihn nicht sonderlich. Er bemängelte, dass es auf der Fahrt vom Flughafen zu wenige Bäume gab.

Maine gefiel ihm besser.

Als er am 31. Oktober endlich seinen Flug zurück nach Deutschland bestieg, überreichte ihm das Airline-Personal einen übergroßen Gepäckanhänger. Darauf stand in Englisch und Deutsch: „Bitte lassen Sie mich in Frankfurt aussteigen.“

Er posierte grinsend damit.

Zurück in Frankfurt wurde er am Flughafen von einer Menschenmenge empfangen. Sein Arbeitgeber war gekommen. Freunde waren gekommen. Jemand hatte ein 50-Liter-Fass Bier mitgebracht. Und als Reporter ihn um ein Zitat baten, blickte Erwin Kreuz in die Kameras und sagte etwas, das niemand vergaß.

„Wenn Kennedy sagen kann: ‚Ich bin ein Berliner‘, dann bin ich ein Bangor.“

Im folgenden Jahr kehrte er nach Maine zurück, um das Band zur Eröffnung der Bangor Mall durchzuschneiden, dem ersten Einkaufszentrum, das er je in seinem Leben gesehen hatte. Tausende kamen, um ihn zu sehen.

Erwin Kreuz starb 2010. Er zahlte bis zuletzt Steuern für sein Grundstück in Maine.

Er war aufgebrochen, um eine Stadt zu besuchen, und geriet zufällig in die Freundlichkeit fremder Menschen in einer anderen. Kein GPS. Keine Übersetzungs-App. Kein Sicherheitsnetz. Nur ein verwirrter Mann und eine Gemeinschaft, die beschloss, dass sein Irrtum ein herzliches Willkommen verdiente, nicht Spott.






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