22/07/2023
Neulich ging ich die Sanderstraße entlang, in der ich so gerne lebe.
Man kennt sich da, es gibt kleine Läden, freundliche Nachbarn, meine Freunde leben da und ich mag den Trubel.
Als ich da also entlang schlenderte, hörte ich hinter mir eine Unterhaltung.
Zwei Studenten, der eine offenbar ortsansässig, der andere zu Besuch, absolvierten das „Leben in Würzburg Starterpaket“.
Und so sagte der in Poloshirt und Shorts gewandete zum nicht weniger studentisch gekleideten Newbie: „das hier ist die Sanderstraße. Wenn man hier ist, ist man meistens stockbetrunken.“
Ich drehte mich um und lächelte freundlich. „Oder“ so sagte ich, „man lebt hier. Dann hält man sich auch stocknüchtern hier auf.“
Die zwei lachten, wir gingen unserer Wege.
Diese kleine Begebenheit beschreibt ganz gut den Spagat Sanderstraße.
Für die einen ist es ein Ort zum Feiern, trinken und durchzechte Nächte, für die anderen ist es ihr Zuhause.
Ich glaube daran, dass beides möglich ist.
Weder will ich eine Sanderstraße, die von Verboten und Kontrollen lahm gelegt wird, noch möchte ich angepöbelt, nachts um drei aus dem Schlaf gerissen oder Samstag morgens durch Müll und erbrochenes zum Bäcker waten, während die Pissspuren an den Hauswänden zeigen, dass mal wieder jemand sein Töpfchentraining vergessen hat.
Wenn wir beides erhalten wollen, die Kneipen und das Zuhause, müssen wir zusammen halten. Die Feiernden, die Anwohner und die Geschäftsleute.
Für unseren Kiez.