01/05/2026
Mahlzeit!
Bevor wir in den Feiertag starten, müssen wir kurz über Lyrik reden. Nicht über diesen hochtrabenden Kram, wo einer im Mondschein an 'ner Rose schnuppert und direkt 'ne Existenzkrise kriegt, sondern über das deutsche Kulturgut. „Wochenend und Sonnenschein, und dann mit Dir im Wald allein.“
Klingt erst mal nach Idylle pur, nach weichgezeichnetem Schwarz-Weiß-Film, wo alle Beteiligten noch Hüte trugen und keine Rückenprobleme hatten. Aber wenn man da mal mit dem Skalpell der Logik rangeht, wird’s fusselig.
Erstens: Warum nur am Wochenende? Ist die Liebe werktags etwa witterungsanfällig? „Dienstagabend und Nieselregen, wir stehen uns beim Finanzamt im Weg“ – das reimt sich zwar nicht so schön, wäre aber wesentlich ehrlicher. Dieses künstliche Hochjazzen des Samstags, als ob die Sonne da eine Sonderschicht schiebt, ist doch reine Psychologie. Als ob der Wald montags sagt: „Nee, heute nicht, heute hat Tusch Ruhetag, geh weg mit deiner Romantik.“
Und dann dieser Zusatz: „Mit Dir im Wald allein.“
Haben Sie mal versucht, im Wald allein zu sein? Da bisse nie allein. Da sind Zecken, die auf dein Blut lauern wie Inkassoberater. Da sind Mountainbiker, die mit 40 Sachen aus dem Gebüsch schießen und so tun, als wäre die Tour de France gerade in die Viersener Sektion verlegt worden. Und vor allem: Warum will man das? „Alleine.“ Dat klingt nach Alibi-Suche oder nach einem dieser Krimis, wo man nach zehn Minuten weiß, wer im Laub verscharrt wird.
„Mit Dir im Wald allein“ – das heißt doch faktisch: Kein Empfang, keine Infrastruktur, und wenn einer sagt „Guck mal, ein seltener Specht!“, musst du so tun, als würde dich das interessieren, während dir gerade eine Waldameise in die Socke wandert. Das ist kein Date, das ist ein Survival-Training für Fortgeschrittene.
Ich sag mal so: Alleine sein ist auf Dauer einfach… anstrengend. Man führt Selbstgespräche und die Antworten werden auch nicht besser.
Nein, der Mensch ist ein Herdentier mit Durst. Deshalb ist mein Fazit ganz klar: Lass den Wald den Rehen, die man mal besuchen kann. Wenn die Sonne scheint, auch wenn es erst Mittwoch ist, gibt es nur eine vernünftige Lösung. Man bewegt seinen Astralkörper zum Hohen Busch. Da bisse nicht allein im Wald, da bisse unter Menschen. Da gibt’s Kaltgetränke, da gibt’s Geselligkeit, und wenn du da jemanden „allein“ triffst, dann nur, weil er gerade Nachschub am Tresen holt. Tusch im Busch! Ab heute wieder gesellige Zweisamkeit (oder mehr) im Viersener Wald.