26/04/2026
Sonntag morgen.. dickflüssig-bräunlichglänzender Espresso fliesst durch den Siebträger in meine Tasse.. Hafermilch ist cremig aufgeschäumt und wartet das morgendliche Koffeingetränk zu vervollständigen, da geht mir folgendes durch den Kopf!
Frightening…
…ist ein heutiges Phänomen, mit dem sich Psychologen und Experten beschäftigen, da immer mehr Menschen, die darunter leiden, Hilfe suchen.Auf einer Fahrt am Donnerstag dieser Woche nach Hamburg lauschte ich gebannt einem Bericht im Radio.
Es ging um vornehmlich junge Menschen, die schon bei dem Gedanken an einen Anruf beim Arzt oder bei einer sonstigen Institution zur Terminabsprache Angstzustände entwickeln.
Der Gedanke, vor unbekannten Menschen – also Fremden – zu stehen, beispielsweise beim Brötchenholen oder beim Einchecken im Hotel, löst teilweise Panikattacken aus. Kurzum: Die Begegnung mit anderen Menschen wird zur Belastung.
… WOW. Das ist natürlich traurig, und es tut mir leid, das zu hören. Natürlich ahnt ihr wahrscheinlich schon, worauf dieser Bericht anspielt? Ein neues Zeitphänomen, hervorgerufen durch die Digitalisierung – durch unser tägliches Smartphone.
Und genau an diesem Punkt wurde mir während der letzten Tage immer wieder bewusst, was dabei eigentlich still und leise verloren geht, denn wenn ich nur diese Woche sowie in der jüngsten Vergangenheit einmal R***e passieren lasse und mir vor Augen führe, wo mir genau das begegnet ist – oder eben nicht mehr begegnet ist –, dann fallen mir sofort einige Situationen ein.
Eine dieser Begegnungen – oder besser gesagt: eines dieser Erlebnisse – führt mich zu einem wirklich guten „Bro“ der letzten 14 Jahre. Er ist im zweiten Beruf, in seiner Passion, ein DJ. Viele kennen ihn, da er beispielsweise auf ihren Hochzeiten aufgelegt hat. Es handelt sich um DrPepper. Er hat einen Auftritt dieser Tage in Sankt Peter-Ording.
DrPepper – wer ihn kennt – ist ein Perfektionist, ein Ästhet der Klangharmonien, der Verbindung zwischen Zeit, Raum und Gast. Und diejenigen unter euch, die ihn nicht kennen: Wer von einem Abend spricht, an dem DrPepper aufgelegt hat, spricht selten vom „Produkt“, das er abgeliefert hat. Im Grunde sprechen alle nur von „DrPepper“ – sei es 80’s, Funk, Soul oder die persönliche Wunschplaylist (die btw. natürlich exzellent zusammengestellt worden sind!)
Eigenartig, oder?
Und vielleicht ist es genau das, was dieses Beispiel so besonders macht – weil es sinnbildlich für so vieles steht, was wir im Alltag oft gar nicht mehr bewusst wahrnehmen, sei es das Café, der persönliche Fahrradhändler, bei dem du dein Bike konfiguriert hast, oder oder. Es steht für die Zwischenmenschlichkeit, die dir begegnet (oder entgeht), wenn du dich auf das Experiment einlässt, mit Menschen zu sozialisieren, zu interagieren und – schlicht ausgedrückt – zu leben.
Genau aus diesem Grund hat mich der eingangs erwähnte Radiobericht auch nicht mehr ganz losgelassen. Ein Gefühl der Bedrückung, weil wir uns in einer rasanten Geschwindigkeit immer mehr durch Apps abnehmen und ersetzen lassen – und es wehrlos und ohne großen Widerstand in unser tägliches Leben einfließen lassen. Ich nehme mich da nicht aus!
Ich stand die Tage vor der Rezeption in einem Hotel: angenehme Musik, schönes Ambiente – jedoch kein Mensch weit und breit. Eine heruntergelassene Gardine am „Schalter“, davor ein iPad mit einer äußerst intuitiven Software zur Zimmervergabe.
Ja, verständlich: Personalkosten, wirtschaftlicher Druck, Lage. Wirklich! In meinem damaligen Golfbusiness war ich einer der Ersten, die darauf aufgesprungen sind – Startzeitenreservierung online, Verkaufsautomat als Idee während Corona.
Und als wäre es nur eine Bestätigung dessen, was ich gerade im Kopf hatte, zog sich dieses Bild auch durch die nächsten Situationen: Zusätzlich zu einem Café, in dem ich verweilte, grinste mich ein Verkaufsautomat an, an dem ich – ebenfalls „zur Unterstützung“ des Personals – meine Limo ziehen konnte.
Toll! Wirklich? Vielleicht gibt es dann alsbald den Dritten – und keinen Menschen mehr dabei. Super! Dann braucht es ja eigentlich nur noch Orte mit etwas Musik aus den Lautsprechern, netten Sitzmöglichkeiten, Automaten – und fertig. Bitte nicht an den Kameras stören, die für die Kontrolle des Betriebes sorgen!
Ein Moment jedoch hat sich besonders eingebrannt – vielleicht gerade, weil er so unspektakulär begann. Ertappt fühlte ich mich an einer Kreuzung auf Fiji. Wir – mein Patendad und ich – hatten uns verfahren. Mein Patendad ist 82, ich bin 51 Jahre alt. Er war sich sicher, wir müssten nach links, ich war sicher, nach rechts. Daraufhin zückte ich, ohne nachzudenken, mein Handy, um Google Maps zu konsultieren.
Mein Dad meinte: „STOP! Steck doch mal das Ding weg. Fahr einfach mal links – ich meine, da hinten eine Tankstelle zu sehen.“
Das löste bei mir Verwirrung aus, da der Tank eigentlich noch gut gefüllt war. Aber es ging nicht um das „Produkt“ Tankstelle. Es ging darum, dass wir dort nach dem Weg fragen sollten.
Warum? Das wissen all diejenigen unter euch, die sich an die Zeit erinnern, als das der Weg war, den man wählte – bevor es Google Maps gab: die Person am Wegesrand, an der Tankstelle, an der Bushaltestelle – je nach Situation.
Und genau solche Momente sind es, die mir heute mehr denn je zeigen, worum es eigentlich geht.
Es ist nicht garantiert, aber oft ergeben sich daraus ganz besondere Momente. Der ein oder andere Hinweis „on top“, Austausch mit Händen und Füßen. Selbstverständlichkeiten des Alltags, an die man sich manchmal Jahre später erinnert.
Und manchmal braucht es dafür gar nicht viel – nur eine kleine Geste, ein Wort, ein Anfang.
Meine ganz persönliche Erfahrung – aus einer Leidenschaft heraus – ist folgende: Wer mich kennt, weiß, dass ich Sprachen liebe. Das Hören, das Lernen und das „Spielen“ damit bereitet mir große Freude. Probiert es einfach mal aus. Sei es im Nachbarland Dänemark, wenn ihr mit einem „God Morgen“ oder „God Aften“ ein Gespräch beginnt und beobachtet, wie es bei eurem Gegenüber ankommt. Oder sei es in der türkischen Bäckerei, wie es mir am Dienstag und Mittwoch passiert ist.
Ich kam am Dienstagmorgen bei „Gönn Dir“ in Husum durch die Tür und begrüßte die nette Dame mit „Günaydın“ (Guten Morgen). Beim Bezahlen bedankte ich mich mit „Teşekkürler“ und verabschiedete mich entsprechend.
Am Mittwochmorgen – wie der Zufall es wollte – hatte ich erneut die Gelegenheit, dort auf einen Kaffee zu verweilen. Und ich wurde zusätzlich mit einem Baklava sowie einem frisch gebackenen Spinat-Börek überrascht. Beides möge ich unbedingt probieren – und man fragte mich, ob es mir schmecke.
Und selbst in Bereichen, in denen wir längst glauben, dass alles entschieden ist, lohnt sich ein zweiter Blick. Wir sollten bspw. nicht allzu leichtgläubig glauben, dass das Internet immer die besten Preise bietet. Wie häufig höre ich: „Na ja, es ist ja nun mal günstiger im Internet.“ Unsere Tochter wünschte sich eine kleine, tragbare Lautsprecherbox eines namhaften Herstellers. Wir gingen in Garding zu einem der wenigen verbliebenen Elektrogeschäfte (Euronics). Wir fragten nach Modell, Farbe und Lieferzeit.
Und wisst ihr was? Der Preis, den wir angeboten bekamen, lag sogar unter dem günstigsten „Sale“-Preis, den ich zuvor bei Google gefunden hatte. Glaubt ihr nicht? Probiert es aus.
Durch Preisbindungen im Markensegment sind große Unterschiede oft gar nicht möglich. Aber eines ist garantiert: der Mehrwert – der Mensch als Ansprechpartner.
Ich könnte noch unendlich weiterschreiben. Mir fallen so viele Beispiele ein, in denen es immer um eines geht: den Menschen.
Wenn ich all diese kleinen Momente zusammennehme, bleibt am Ende im Grunde nur ein Gedanke.
Gebt euch selbst – und anderen – die Chance zur Begegnung. Lasst euch darauf ein. Ein bisschen. Oder ein bisschen mehr.
Und vielleicht wird das eingangs erwähnte Phänomen dann wieder schwinden.
Meine Altersklasse und darüber hinaus – wir „Älteren“ denken wahrscheinlich: „Günni, ist doch normal!“
Ja.
Hoffentlich.
Habt einen schönen Sonntag.
Euer
Gunnar
Richard Pinckernelle (DrPepper)
Yamacito Seafood Bar
(Tanz i.d. Mai am 30.04. BeachBahnhof mit DJ ;-))
Cruiser King St. Peter-Ording
Gönn Dir Kiosk & Cafe (Weltbeste Börek..)
Hoffmann
Speicherstadt Kaffeerösterei