13/10/2022
Puh…. *lautes Schnaufen*
Aus aktuellem Anlass mal wieder viele Gründe, warum Ladendiebstahl keine so ganz gute Idee ist:
- „Das sind so kleine Beträge, die bemerken das doch nicht mal“
Doch, die bemerken das. Weil zweitausend Tafeln Schokolade und fünfhundert Flaschen Schnaps pro Jahr halt dann doch am Ende einen fünfstelligen Betrag ergeben. In den letzten Jahren waren das (branchenüblich) immer so 1-2% vom Umsatz. In Branchen, wo die Inhaber 3-4% Vorsteuerergebnis realisieren können, kann das die Existenz bedrohen.
- „Wir klauen ja nicht beim privat geführten Laden, sondern nur bei großen Ketten. Die haben‘s doch!“
Nein, Clara-Luise, die haben‘s auch nicht. Jedenfalls nicht übrig. Denn auch bei diesen filialisierten Geschäften arbeiten keine Roboter, sondern Menschen, an die ein Teil der Erträge in Form von Löhnen ausbezahlt wird. Oder eben auch nicht, wenn der Ertrag gestohlen wird. Über den kurzen Daumen reden wir ja bei einem klassischen Supermarkt über Ertragsverluste, die der Bezahlung von 2-3 Vollzeitkräften entsprechen würden - oder entsprechenden Lohnerhöhungen.
- „Haha, weil irgendjemand das auch in Personal investieren würde“
Nein, vielleicht nicht ausschließlich. Aber wenn die Diebstahlquote steigt, dann leidet als erstes das Personal und es werden im schlimmsten Fall Leute gefeuert oder Stellen nicht nachbesetzt. Weil das die einzige und letzte Stellschraube ist, an der der Ladenbetreiber noch drehen kann.
- „Ladendiebstahl ist Notwehr, weil die Leute sich ja nichts mehr leisten können!“
Unsere letzte Ladendiebin war 13 Jahre alt und hatte unter anderem zwei Flaschen Jägermeister und eine Flasche Rum eingesteckt. Das hat jetzt irgendwie so gar nicht den Eindruck von Notwehr hinterlassen. Und diese Art von Ladendiebstählen ist die Regel. Es handelt sich um Mutproben oder die Kompensation von psychischen Problemen. Wenn es für euch okay ist, dass jemand euch die Reifen zersticht, um seinen psychischen Druck abzubauen, dann können wir natürlich auch über die Legitimation von Ladendiebstählen diskutieren.
- „Aber die Mittellosen!“
Ja, Kevin, die gibt es. Aber dann überlass es bitte dem Besitzer der Ware, also dem Ladeninhaber, ob er ausnahmsweise die Augen zudrückt. Und ja, das geschieht. Stillschweigend und unauffällig.
Darüber hinaus leisten die Läden, bei denen ihr die „Enteignung“ als legitim anseht, eine Menge sozialer Arbeit. Oft ebenfalls unbemerkt. Wir unterstützen die Tafeln, fördern vielmals das Containern, unterstützen Kindergärten, Schulen und Vereine mit Spenden oder Informationsarbeit und vieles mehr. Allesamt Leistungen, bei denen als erstes gespart wird, wenn Erträge schrumpfen, wozu auch Diebstahl beiträgt.
- „Das ist doch sowieso eingepreist, also steht es mir zu!“
Ja, ist es. Und nein, tut es nicht. Weil den höheren Preis die redlichen Kunden mitbezahlen. Also das gleiche Prinzip, das man bei börsennotierten Unternehmen immer anprangert („Gewinne - in dem Fall aus Diebstahl - privatisieren, Verluste - in dem Fall für den Laden - sozialisieren“). Ein seltsames Messen mit zweierlei Maß also, wenn es denn den eigenen Interessen dient.
Gerne ergänzen wir den Beitrag um weitere Argumente, warum Diebstahl nicht besonders clever ist.
Um es kurz zu machen: Lasst es einfach. Es ist schade um die Zeit, die wir damit verplempern, den Strafantrag auszufüllen.
Herzlichst, euer Team von
Edeka Wollny
Nachtrag: Der User „Korallenherz“ hat uns inzwischen - nach einiger Diskussion mit anderen Usern in den Drukos - auf Twitter geblockt. Ein bisschen schade, aber irgendwie auch nicht überraschend.