Seit dem Mittelalter: Die Räuberhöhle
Stadtmauer, Leinenveredelung, Kneipe
1396 wurde das heute unter Denkmalschutz stehende Gebäude der Räuberhöhle als „obere Mang“ als Anschluss an die Stadtmauer gebaut, um in RV hergestellte Leinentücher zu veredeln, bevor diese in in den damals für Ravensburg wichtigen Handel in alle Welt gingen. Und falls sich jemand mal gefragt hat, warum jedes Stockwerk d
er Höhle über das darunterliegende hinaussteht: An den hervorstehenden Obergeschossen des Hauses wurden die nassen, frisch gefärbten Leinen zum Trocknen aufgehängt. Januar 1863 berichtet:
„…Während sich hier nachgerade jedermann an der hohen Politik langweilt, hat in aller Stille bei uns eine höchst wohltätige Bierrevolution stattgehabt. Es existiert hier nämlich seit einiger Zeit eine Bierwirtschaft unter dem Namen Räuberhöhle. Woher der etwas schauderhafte Name geschöpft worden, ist uns bis jetzt unbekannt geblieben. Möglicherweise hat das Aussehen des Herrn Wirtes, der einem kühnen, trotzigen Räuberhauptmann ähnlich sehen mag, zu dieser Benennung Anlass gegeben. Sei dem wie ihm wolle, der Stoff, den man in dieser Höhle trinkt, ist jeder Anerkennung wert… …Ungebildete, ganz, halb und eingebildet Gebildete sitzen friedlich neben einander…“
Das selbstgebraute Bier wurde in kurzer Zeit so bekannt, dass die Räuberhöhle überregional in aller Munde war. Dadurch verbanden sehr viele Reisende einen Besuch in Ravensburg mit einigen wenigen oder vielen Stunden in der Höhle. Damals wie heute waren Menschen aus allen Bevölkerungsschichten hier gern gesehen und so wurde der Platz des Öfteren knapp. Gingen die Stühle aus, saß man aber kurzerhand auf Bierfässern.
1978 eröffnete ein neuer Pächter die Räuberhöhle. Vom ersten Tag an spielten soziales und politisches Engagement bei Betreiber und Angestellten eine tragende Rolle. Es gab Spielzeugsammelaktionen für Geflüchtetenkinder und Benefizkonzerte. Die Höhle wurde zum Treffpunkt kleinerer und größerer Gruppierungen wie z.B. der Anti-Atom-Bewegung oder der Aids-Hilfe. Außerdem wurden verschiedene kostenlose Umsonst & Draußen – Musikfestivals unterstützt, Spendenaktionen für Tsunamiopfer ins Leben gerufen usw…
10 Jahre nach der Neueröffnung zählten unter Anderem Konstantin Wecker, Wolfgang Ambos und die Kölner Kultband BAP zu eingefleischten Höhlefans. Beim Konzert in der Ravensburger Oberschwabenhalle erzählte BAP Sänger Wolfgang Niedecken die Geschichte des Songs „Lisa“, die ihm jemand in der Räuberhöhle erzählt hatte. Er lobte alle Freunde der Räuberhöhle für ihr unermüdliches Engagement, die Höhle zu erhalten und die zu dieser Zeit geplante Luxussanierung kreativ und unermüdlich zu verhindern. Die ganze Band erklärte „Wir sind Freunde der Räuberhöhle!“ Selbstverständlich fand man sie nach dem Konzert in der Höhle, wo weiter gefeiert wurde. Die Höhle ist sich bis heute treu geblieben.