12/08/2023
Wir müssen alle aktiv werden! Endlich wach und laut werden! Und unsere Gäste und Politiker vor Ort sensibilisieren!
Leserbrief an das Hamburger Abendblatt:
„Nahezu jede Branche hat derzeit ihr Päckchen zu tragen. Dass die bekannte temporäre Herabsetzung der Umsatzsteuer eine akute Wirtschaftshilfe für Gastronomen und auch der Haushalte darstellte, wurde schweigend und dankbar angenommen. Politische Mehrheiten schafft man jedoch nicht über die Tränendrüse mit der Drohung potenzieller Schließungen. Agile und umgehende Reaktion auf wirtschaftliche Veränderungen gehören zum Geschäft einer freien Marktwirtschaft. Das gehört zum Spiel dazu! Nur: Eine Gesellschaft sollte mal reagieren, wenn es wieder mal an den eigenen Geldbeutel geht und auf das richtige Maß auf volkswirtschaftlich und steuerlich relevante Maßnahmen pochen. Völlig außer Acht gelassen wird, dass aufgrund erfolgter Preisanpassungen die Umsatzsteuer heute auf einen deutlich höheren Netto-Betrag berechnet wird, als bei der Einführung der temporären Herabsetzung der Mehrwertsteuer, für die sich auch Kanzler Scholz als langfristige Maßnahmen und Beibehaltung seinerzeit ausgesprochen hat. Das damalige Zehn-Euro-Schnitzel ist Geschichte und liegt heute (sauber gerechnet) bei circa 14 Euro (netto). Der Staat hat also längst von der Kostenexplosion profitiert und mit einer Erhöhung wird nicht alleine die Gastronomie, sondern vielmehr eine ganze Gesellschaft belastet. Politiker und deren Wähler sollten darauf hinweisen, denn es geht nicht allein um das kulturelle Luxusgut, Essen gehen zu können, sondern auch darum, nachhaltig die vertikale Wertschöpfungskette bei Tierwohl, Klimawandel und den Beschäftigten zu etablieren und eingeschlagene gute Wege weiter gehen zu können. Allein die Energiewende wird allen Unternehmen noch sehr viel Geld kosten und wir müssen anfangen darüber nachzudenken, was uns gewisse Dinge in Zukunft wert sein sollen, wenn wir unseren Kindern eine lebenswerte Gesellschaft überlassen wollen. Denn getilgt wird bekanntlich vom Gewinn. Und nicht selten reden wir hier bei der Individual-Gastronomie von dem Einkommen einer gastronomisch tätigen Familie, die wieder mal wahre Ängste aushalten muss! Und im europäischen Vergleich liegen wir wieder mal hintenan – sei es im dann höheren Umsatzsteuersatz, aber auch in den vergleichsweisen sehr günstigen Verkaufspreisen unserer Lebensmittel. Da ist doch was nicht richtig!“
Björn Grimm