Love
Wäre München ein afrikanisches Dorf und hätte nur eine Kneipe, sie müsste so sein wie Love’s Coffee & Bar. Er weiß wann seine Kunden kommen, weiß, wann sie es eilig haben, sich nur schnell einen „Coffee to go“ kaufen. Er weiß, wenn seine Kunden Liebeskummer haben und wann sie einen Grund zum feiern haben. Woher er das alles weiß? Weil er mit ihnen spricht. So bleibt einem der erste Besuch in
Love’s Coffee & Bar im Breiterhof auch lange im Gedächtnis. Unweigerlich wird man gefragt: Wer bist Du, was machst Du und wo kommst Du her? Das alles muss man beantworten, bevor man seinen ersten Kaffee von ihm bekommt. Love ist dabei unaufdringlich. Er interessiert sich für jeden, der zu ihm kommt und etwas trinkt. Wer sich auf ihn einlässt, wer sich mit ihm unterhält und ein wenig von sich preisgibt, der wird schnell vom Kunden zum Freund. So verschlägt es die unterschiedlichsten Menschen in das kleine Cafe in der Passage zur S-Bahn. Manche kommen täglich auf eine Tasse Kaffee und ein Gespräch, andere nur dann, wenn sie gerade in der Gegend sind. Eine Frau schaut alle zwei Wochen vorbei, wenn sie um die Ecke einen Arzttermin hat, eine andere will an ihrem freien Tag Frühstücken, weil sonst die Zeit sonst nur für eine schnelle Tasse Latte macchiato reicht. Der Briefträger winkt, als er vorbeiradelt, der KOB, der Kontaktbereichsbeamte, wechselt eine paar Worte mit Love. Schüler sind willkommen – nur nicht, wenn sie schwänzen. Dann schickt er sie schon mal weg. Kommt nach der Schule wieder. Ursprünglich hätte Love Godwin Omigie Fußballstar werden sollen. 1992 kam der damals siebzehnjährige Nigerianer nach Deutschland. Sport war schon immer sein großes Talent. „Alle Kinder in Afrika spielen Fußball, auf Sandplätzen und auf der Strasse. Und alle träumen davon einmal ein Star zu werden.“ Die Besten kriegen eine Chance in einem der berühmten Vereine in Europa zu spielen. Doch eine Verletzung machte diesem Traum ein Ende. Die Profi-Karriere war schon vorbei, bevor sie richtig begann. Zum Cafe kam Love als Kunde. Beim ersten Coffee Fellows in der Leopoldstrasse fing er vor vielen Jahren als Barista an. Seine besondere Art Freunde zu Kunden und Kunden zu Freunden zu machen, hatte sich schnell rumgesprochen. Nach einiger Zeit hatte er sein eigenes Cafe, zuerst als Franchise-Nehmer, jetzt in eigener Regie. „Ich brauche meine Freiräume“, sagt er, „Franchise war eine gute Sache für mich, aber jetzt will alles in meinem Stil machen.“ So hat er auch das Love’s Coffee & Bar nach seinem Stil gestaltet. Kaffee liegt seiner Familie im Blut. Schon seine Vorfahren haben mit Kaffee gehandelt. Für Love Godwin Omigie ist sein Cafe trotzdem mehr als nur ein Arbeitsplatz. Es ist Leidenschaft, Hobby und Passion. Seine Kunden sind seine Familie, das Cafe sein Lebensinhalt. Alle Freunde trifft er hier. „Seit Jahren habe ich keinen Urlaub mehr gehabt“, sagt Love ohne Bedauern. „Aber mir fehlt auch nichts. Nur, weil ich mein Geschäft so liebe, schaffe ich es hier sieben Tage die Woche zu sein. Ich fange in der Früh an und es geht oft bis spät in die Nacht. Nur meine Tochter schafft es, dass ich wegen ihr mal früher zumache.“
Barista bedeutet Kaffe-Künstler. Gäbe es dafür einen Meisterbrief, Love Godwin Omigie hat ihn verdient.