27/08/2023
Vielen Dank Mostly Mosel für diesen tollen Beitrag ✨🥂 wie immer nur echt mit den Apostroph
Es gibt Weine, die fließen nicht so einfach die Kehle runter. Die setzen Reize, die im Gedächtnis haften bleiben. Das gilt allemal Für Rieslinge, Spätburgunder und Artgenossn, für die Trauben von alten Rebstöcken den Saft hergegeben haben. Zu diesem Geschmackserlebnis gehört beim Riesling das Aroma von Schwarzen Johannisbeeren und das Gefühl, dass sich nach dem Schluck die Schleimhaut der Zunge zusammenzieht. Einem solchen Riesling fehlt seit heute sein Naturkork. Der Knabe stammt von der Ruwer, also aus dem Großraum Trier – genauer: vom Weingut Erben von Beulwitz der Familie Weis in Mertesdorf. Da wachsen die Reben schon direkt hinter dem Hotel Weis den Hang hoch – das Auge trinkt, um das geflügelte Wort einmal leicht umzubiegen, Von diesen Winzern jeden falls stammt der 2021er Riesling Kabinett Nr. 9 von alten Reben aus der Paradelage des Hauses, dem Kaseler Nies’chen (nur echt mit Apostroph).
Zur Lage Kaseler Nies'chen: Hier geschah es im 13. Jahrhundert , dass die Besitzer eines Weingutes das Liebesglück ihre Tochter Agnes bedroht sahen. Die Frau fand keinen passenden Ehemann. Ihr Vater vermachte ihr daher das gesamte Weingut und über die Liebe zur Winzerei fand Agnes schließlich einen Partner. Nach der Heirat bewirtschaftete das glückliche Paar gemeinsam die Weinberge. Da der Name Agnes häufig als Nies'chen verniedlicht wird, sprachen die Menschen häufig über Kaseler Nies'chen, wenn es um die junge Besitzerin ging. Das prägte sich derart ein, dass die gesamte Lage Kaseler Nies'chen getauft wurde. Weitere Details zum Nies’chen nennen die Bischöflichen Weingüter Trier, die ebefalls erhebliche Anteile an der Lage besitzen auf ihrer Website – mit einem Klick auf www.bischoeflicheweingueter.de/Weinlagen/Ruwer/Kaseler-Nies-chen/ # geht es weiter.
Der 2021er Nr. 9 von den alter Reben hat es sogar zum Versteigerungswein gebracht – bei der alljährlichen Auktion des Bernkasteler Rings (www.bernkasteler-ring.de), die von Herbert Weiß maßgeblich organisiert wird. Sein Wein zeigt sich, jetzt noch jung an Jahren, frisch und saftig. Beim ersten Lufzug durch die Nase bemerkt der Verkoster noch den ausgeprägten „Duft“ eines Spontangärers, den „Stinker“. Von dem ist auf der Zunge natürlich nichts mehr zu bemerken.
Statt dessen blitzt da erst mal die den Trinkfluss herrlich ankurbelnde Säure auf – ein Charakterzug, dem auf dem Weg zum langen Abgang noch die feine salzige Mineralität, viel saftige Zitrusfrucht, Apfel, Ananas und – wen wundert’s – ein wenig Cassis folgen. Auch wenn der Preis ungefähr im mittleren Bereich des Möglichen liegt: Hier gibt’s viel Ruwer-Riesling voller Saft und Kraft. Und der ist auf jeden Fall im Sinne des Wortes preiswert.
Preis ab Weingut (Webshop): 22,60 Euro
Im Internet: www.von-beulwitz.de