29/06/2023
‼️Kulturlandschaft‼️
(Text Guido Meyer)
„Tunnelblick
Die Jagdlobby möchte der nicht jagdlichen Gesellschaft deutlich machen, dass wir die Jagd benötigen weil wir, so das Argument (Jochen Borchert, ehemaliger Präsident des größten Jagdschutzverbandes), "in einer "Kulturlandschaft" leben, die vom Menschen genutzt wird und viele Raubwildarten verschwunden sind".
"Verschwunden"?
Nein, von Jägern ausgerottet, wäre ehrlicher.
Warum aber muss in einer Kulturlandschaft gejagt werden?
Zur Bestandsregulierung?
Wissenschaftliche Erkenntnisse bezeugen ein völlig anderes Bild.
Natur, bzw. ihre Jahrmillionen alten Gesetze gelten immer und überall, aus Sicht von Mutter Natur gibt es keine "Kulturlandschaft", damit keine Aufhebung der Regeln wie z.B. von Lotka und Volterra beschrieben (Populationsdynamik).
Die Gesetze der Natur greifen immer und überall, für manche Tiere sogar mitten in der Stadt.
Wir müssen das "nur" begreifen und mit der Natur leben, ihr gestatten, sich überall zu entfalten. Das kann im Vorgarten im ganz Kleinen passieren, wie im Großen in echten, also jagdfreien Naturschutzgebieten, von denen wir nur gerade mal 2500 ha in der Addition aus 4 Nationalparks haben. Erste wissenschaftliche Erkenntnisse dieser viel zu kleinen Areale: Die Tiere verlieren die Scheu, Natur und Tierpopulationen regulieren sich selbst. Was eine Überraschung!
Die Populationsdynamik richtet sich nicht nach dem Menschen und seiner Meinung, sondern einzig nach der Umweltkapazität.
Es müssen keine Bestände reguliert oder dezimiert werden, schon gar nicht, weil die Beutegreifer heute "fehlen".
Im Übrigen machen das auch nicht die Prädatoren wie der Wolf, dieses Bild will uns die Jagdlobby nur vermitteln um "Ersatz zu leisten", die Wölfe selektieren nur Krankes und Schwaches aus, keinesfalls regulieren sie den Wildtierbestand als solches, wie lange angenommen und immer noch von Jagdseiten behauptet.
Die Bestände der Pflanzenfresser regulieren sich in der Natur einzig durch den Lebensraum, durch die Umweltfaktoren wie Nahrungsangebot und Raumgröße.
Das "Mehr" an Nahrung durch die Landwirtschaft ist viel geringer als angenommen, da an der nur kurz andauernden Reifezeit der agrarwirtschaftlichen Produkte eh der Tisch auch durch die Natur reich gedeckt ist, ist der tatsächliche Anteil der Nahrung aus Landwirtschaftserzeugnissen sehr klein.
Schwerwiegender ist die natürliche Selektionszeit, die eigentliche Hungerzeit, der monatelange Winter. Hier wirken Kirrung, Zufütterung im Winter hingegen viel extremer auf den höheren Wildtierbestand (in Deutschland werden laut AGNJ-SH satte 30.000 Tonnen pro Jahr (❗) in die Reviere gekarrt).
Auch wird die natürliche Selektion durch Hunger damit vermieden. Hohe Bestände sind aber natürlich das Ziel, eben für hohe Jagderträge und die zahlungskräftige Trophäenjagd, obgleich wir zu hören bekommen, dass wegen der Verbiss Schäden Bestände "reguliert" werden müssen, was aus forstwirtschaftlicher Sicht erstmal völlig richtig ist.
Nur, dass die "extreme" Jagd, die Population weit über das natürliche Maß hinausgetrieben wird. Und genau diesen überflüssigen Teil der Jagd nenne ich "Hobbyjagd". Denn hier zählt nur der Spaß am Hobby, an der Trophäe und den Erträgen durch eben diese Schützen, leider kein echter Naturschutzgedanke. Wir haben wegen unserer Hobbyjagd schon die höchste Wildtierdichte in Europa, der natürliche Bestand wäre etwa 3x kleiner, so Prof. Reichholf.
Die Argumentationskette des Verbisses, des Naturschutzes, der notwendigen Bestandsregulierung implodiert spätestens hier.
(Quellen: Prof. Dr. Reichholf - 30 Jahre Naturschutz an der TU München gelehrt und hat zahlreiche Preise zu Publikationen erhalten).
Oft ist auch zu hören der Wolf würde das Wild dezimieren, er würde den Wildtierbestand regulieren. Deshalb sei jetzt der Jäger da, um in unserer Kulturlandschaft diese Aufgabe zu übernehmen.
Nein, der Wolf reguliert nicht den Bestand, er selektiert, er hält die Wildtiere gesund, fördert die Genetik, er bringt die Gesundheit in den Wildtierbestand.
Der Mensch/Jäger hingegen meint zu regulieren, bringt aber den Wildtierbestand auf ein Vielfaches, wirkt auch umgekehrt selektiv, da die Trophäe zählt.
Außerdem haben Treib- und Drückjagden definitiv nichts mit natürlicher Selektion zu tun.
Hier mal ein Zahlenspiel mit dem Wolf:
Folgende Zahlen sind wissenschaftliche Grundlagen, die daraus resultierende Aussage von mir jedoch hochgerechnet, also nicht wissenschaftlich. Auch schwanken die Angaben innerhalb seriöser Quellen, verfälschen meine abschließende Kernaussage aber nicht.
Wir haben in Deutschland ca. 1.400 Wölfe, obgleich viele davon Welpen sind mit kleinerem Mengenbedarf! Ein Adult-Wolf braucht max. 3 Kg Fleisch/Tag. Die etwa 500 Welpen setzen wir gleich. Die Wölfe fressen nach wissenschaftlichen Auswertungen von 2.000 Mageninhalten, Rehe 52,2 %, gefolgt von Rothirsch 24,7 % und Wildschweinen 16,3 %. Einen geringen Anteil machen Hasen mit knapp 3,4 % aus, Damhirsch 1,5 %, Menschen 0,0 %.
Das sind von 4.500 kg Fleischbedarf täglich und dem jeweiligen Durchschnittsgewicht des erlegten Tieres dann pro Jahr ca. 39.000 Rehe, ca. 3.000 Rotwild, ca. 3.500 Wildschweine, ca.16.000 Hasen, ca. 450 Damwild.
Achtung, nochmal, das sind keine wissenschaftlichen Zahlen, zumal im Gewicht auch Knochen sind, die ausselektierten Tiere durch Krankheit wahrscheinlich eher leichter als der Durchschnitt waren usw. Aber selbst, wenn wir wie Ingenieure in der Technik üblich mit 2.5-facher Sicherheit rechnen und gern noch was draufpacken, kommen wir nicht mal ansatzweise an die jährlichen Zahlen der Jagdstrecken: 1.3 Mio. Rehe, 75.000 Rotwild, 780.000 Wildschweine, 217.000 Hasen (rote Liste), 68.000 Damwild, ca. 34 Menschen (Jagdunfälle).