30/05/2026
Die Thiewall-Klause ist eine der letzten Bastionen in der sich lichtenden Kneipenlandschaft. Dass es sie seit mindestens 66 Jahren immer noch gibt, ist nicht zuletzt einer langjährigen Wirtin zu verdanken. Dieser Tage wird der 2025 verstorbenen Bärbel Wildhage feierlich gedacht. Die Redaktion hat in der Thiewall-Klause schon mal vorgefühlt.
Philipp Killmann
Philipp Killmann
29.05.2026, 17:00 Uhr
Hameln. Mittwochnachmittag in der Thiewall-Klause. Wirt Dieter Schoone (62) hat ein paar seiner Stammgäste zusammengetrommelt, die Bärbel Wildhage, die langjährige Inhaberin der Kneipe, lange kannten. Am Tresen sitzen Tanja (51), ihr Lebensgefährte Volker (61) und Jürgen (77). „Ich bin hier schon seit 43 Jahren Gast“, sagt Jürgen.
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Tanja und Volker sind gewissermaßen mit Bärbel zusammen zur Thiewall-Klause gekommen. In den Neunzigerjahren betrieb Bärbel noch die „Zeise“ am Bahnhofsvorplatz. Tanja zapfte dort Bier, Volker war der Hausmeister. Bei der Neueröffnung der Thiewall-Klause an der Ecke Domeierstraße/Thiewall durch Bärbel Wildhage am 1. Juni 1996 stand Tanja hinterm Tresen. Heute ist ihre Tochter Denise auch manchmal zu Gast. „Wir sind für das Kneipenleben geboren“, sagt Tanja und lacht.
Unter Bärbels Vorgängerin hatte Dieter in der Thiewall-Klause noch Hausverbot
Bei Bärbel Wildhage war das weniger der Fall. Vor ihrer Kneipenkarriere arbeitete die gebürtige Berlinerin beim Hamelner Hertie, war Betriebsrätin. Dann, 1988, schloss das Waren- und Kaufhaus, und sie übernahm zunächst die „Zeise“. „Das war erst mal eine Umstellung, ein ganz anderes Niveau“, erzählte sie 2019 der Dewezet gegenüber. Bei Dieter Schoone war es ähnlich. Er arbeitete jahrelang als Einzelhändler, jobbte nebenbei in der Gastronomie, von 1995 bis 1998 bei Willi Steinmann in der Alten Post.
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Eine Mitarbeiterin aus der Thiewall-Klause forderte ihn damals dazu auf, doch mal vorbeizukommen. „Geht nicht“, habe er geantwortet, „da hab ich Hausverbot.“ Das hatte er noch unter Bärbels Vorgängerin Erika Schön bekommen. „Aber dann bin ich eines Tages doch mal hin mit Blumenstrauß und einer Schachtel Pralinen, bestellte ein 0,4 und setzte mich einfach″, erzählt Dieter. Damit sei die Sache für Bärbel dann auch erledigt gewesen. Und ein paar Monate später hatte Dieter einen neuen Job.
Bärbel Wildhage mit ihrem langjährigen Lebensgefährten Rainer in der Thiewall-Klause. Er ist heute noch Stammgast in der Eckkneipe.
Bärbel Wildhage mit ihrem langjährigen Lebensgefährten Rainer in der Thiewall-Klause. Er ist heute noch Stammgast in der Eckkneipe.
Quelle: Dieter Schoone/Privat
„Erst war es die Hölle“, sagt er. Es ging öfter hoch her in der Thiewall-Klause. Nach einem Jahr wollte er hinschmeißen. Aber das habe Bärbel nicht zugelassen, ihn aufgefordert, durchzuhalten. Hielt er. „Und jetzt sind es 26 Jahre“, sagt er. Zwischendurch, 2017, heiratete er Bärbel und nach und nach löste er sie als Wirt ab. Heute ist er Inhaber der Kneipe, feierte letztes Jahr sein 25. Jubiläum.
Am Samstag, 6. Juni, soll nun Bärbel feierlich gedacht werden. Und so kam es dazu: Eine Gästin, Marlies, habe beim Blick auf eine an der Wand hängenden Tafel, die es zum 20-jährigen Bestehen gab, festgestellt: „,Ihr habt ja dieses Jahr 30-Jähriges!‘“, erzählt Dieter. Tatsächlich ist die Thiewall-Klause sogar mehr als doppelt so alt. Einer früheren Recherche dieser Zeitung zufolge geht die Kneipe mindestens auf das Jahr 1960 zurück. Wie dem auch sei. Dieter und seine Gäste wollen Bärbel jetzt „noch mal aufleben lassen“.