War das Gebäude doch lange Jahre das Spritzenhaus des Ortes. August 1909 hatte Bürgermeister Freitag nach langwierigen Vorbereitungen eine Versammlung einberufen, um die Freiwillige Feuerwehr Gehrden zu gründen. 34 Männer stellten sich unter dem Motto "Einer für Alle und Alle für Einen" für diese Aufgabe bereit. Als erster Hauptmann wurde damals der Schmiedemeister Christian Eike gewählt. Das Spri
tzenhaus, das heutige „Türmchen“, befand sich am Steintor. Im Jahr 1910 wurde dieses Gebäude mit einem Schlauch- und Steigerturm versehen, in dem Schläuche zum Trocknen aufgehängt werden konnten und das Anstellen und Erklimmen von Leitern insbesondere zu Rettungs- und Löscheinsätzen geübt werden konnte. Die im Gebrauch befindliche Handdruckspritze wurde weiterhin benötigt. Eine Elektro-Spritze sollte eine technische Verbesserung bringen, die 1912 angeschafft wurde, aus Gründen der Materialknappheit während des Ersten Weltkrieges allerdings ohne Motor. 1928 wurde endlich die erste Motorspritze in Dienst gestellt (siehe Foto unten). Ein Löschfahrzeug war noch nicht vorhanden. Dieses kam erst 1942, als nach Luftangriffen in Hannover und Hildesheim viele harte Einsätze zu leisten waren. Die führende Zeitung des Baugewerbes war um 1900 die „Baugewerks-Zeitung“. In ihm wurden wichtige Neuerungen rund um das Bauen veröffentlicht; - aber auch imposante Bauwerke. Und siehe da, im Jahr 1912 widmet sich die Ausgabe Nr. 72 einem Kleinod in der Gehrdener Innenstadt, nämlich dem „Türmchen“. Diese Namensgebung war damals natürlich noch unbekannt, hier hieß es noch „Spritzenhaus mit Steigerturm in Gehrden“. Aber schon damals sprach die Fachzeitschrift des Bauhandwerks von einem Gebäude, dass „zur wesentlichen Zierde des Ortes mit beiträgt“. Die Zeitung schreibt: „Ein solches Spritzenhaus mit Steigerturm, wie oben erwähnt, ist erst kürzlich in dem Flecken Gehrden bei Hannover nach den hier wiedergegebenen Abbildungen zur Ausführung gekommen. Hierbei hat der Steigerturm an dem einen Kopfende des Spritzenhauses seinen Standort erhalten, um einerseits die Feuerwehrübungen von ebener Erde aus, andererseits vom Dache des Spritzenhauses aus vornehmen zu können. Während der Steigerturm an der Vorderfront eine glatte Fläche erhalten hat, sind an den übrigen Seiten die einzelnen Stockwerke vorgekragt, so daß sich auch hierdurch die Übungen noch erschweren. Nicht zu übersehen ist hierbei, daß dieses, wenn auch einfache Gebäude in seiner äußeren Gestaltung, indem dasselbe in der dort üblichen Bauweise ausgeführt ist, zur wesentlichen Zierde des Ortes mit beiträgt. Auf einem Hausteinunterbau entwickelt sich, wie aus den hier wiedergegebenen Abbildungen zu ersehen ist, der weitere Aufbau des Spritzenhauses, aus dem sich dann der in Fachwerksarchitektur gehaltene Steigerturm erhebt und mit einem in der dortigen Gegend allgemein beliebten Pfannendach abschließt. Bezüglich der inneren Gestaltung ist noch zu bemerken, daß, wie in vielen Gegenden, so auch hier eine Arrestzelle für Gefangene mit eingebaut ist. Auch die erforderlichen Vorrichtungen zum Aufhängen und Trocknen der Schläuche sind nicht vergessen. Den Entwurf zu diesem Spritzenhause mit Steigerturm lieferte der Zimmermeister August Haase – Gehrden, welcher auch die Zimmerarbeiten übernommen hatte. Die Maurerarbeiten dazu wurden vom Maurermeister Fr. Krull – Gehrden ausgeführt. Die Baukosten für dieses Gebäude betragen rund 5000 Mk.“
Nach dem Zweiten Weltkrieg war auch für die Feuerwehr der Neuanfang schwer. Nur langsam ging es wieder bergauf. Im Jahr 1959 gab es dann eine technische Verbesserung. Ein neues Löschfahrzeug wurde der Wehr zum 50-jährigen Jubiläum übergeben. Das bisherige Spritzenhaus war nun zu klein geworden und es kam zu damaligen Neubau in der Nordstraße, links von der heutigen Sparkasse. Das „Türmchen“ fiel nun in einen langen Dornröschenschlaf und wurde lediglich als Abstellraum genutzt. Doch 1976 war es dann soweit. Der Gehrdener Unternehmer Walter („Schnacky“) Meier erkannte die Zeichen der Zeit, pachtete das Gebäude und baute es zu einer Gaststätte um. Und dann war es dann endlich soweit. Der Innenausbau des „Türmchen“ war in den letzten Zügen, die Toiletten waren auf engstem Raum installiert. Ältere Gäste werden sich noch an die roten Fliesen erinnern, damals topmodern. Die Bänke waren gemütlich mit Stoff bezogen und die Wände rustikal mit Holzschindeln verkleidet. Auf dem Foto ist der Inhaber Walter „Schnacky“ Meier zu sehen, wie er das erste Bier aus der ausdrucksstarken Zapfanlage zaubert. Ebenfalls hinter der Theke Pit Pistol, der über Jahre hinaus der Stamm-Barkeeper des „Türmchen“ werden sollte. Das war wirklich etwas Neues in Gehrden und im Umland, im Jahr 1976. Jahrzehntelang war für viele Männer der Besuch ihrer Stammkneipe ein selbstverständlicher Teil ihres Alltagslebens. Doch das war langsam Vergangenheit. Die klassische Eckkneipe hatte ausgedient. Die Lebensweise der Menschen hatte sich verändert, und die Gastronomie musste darauf reagieren. Das tat die neue Gaststätte. Einer der Eckpunkte des neuen Konzeptes des „Türmchen“ war die Ausrichtung auf einen erweiterten Gästekreis. Die neue Atmosphäre sprach auch die Frauen an. Und noch weitere Gestaltungsaspekte waren zu erkennen. Schon die Architektur des Gebäudes war einladend, das nostalgische, kleine Gemäuer mit dem gemütlichen Rundbogen versprach bereits von außen Gemütlichkeit. Auch die Innengestaltung ging in diese Richtung. Auf einer geringen Grundfläche mit einer überschaubaren Sitzplatzanzahl waren diese kommunikativ geschickt angeordnet. Die Sitzbänke waren mit Stoff überzogen, die Wände nett getäfelt und die Beleuchtung heimelig gedämpft. Also alles ganz anders als die bekannten Kneipen mit den abwischbaren Stühlen und den PVC-beschichteten Tischen. Selbst das Knallrot der Fliesen in den Sanitärbereichen hob sich extrem ab von den dunklen Klos der bisherigen Kneipen. Die völlig neue Atmosphäre schuf eine angenehme, vertraute, gemütliche Umgebung und unterschied das Lokal völlig von der Konkurrenz. Hinzu kam eine ansprechende Werbung: großflächige Zeitungsanzeigen, ein eigener Slogan, Autoaufkleber, eigene Streichholzschachteln, ein auffällig beklebter Kleinstwagen und publikumswirksame Gaststättenaktivitäten wie das Auftauchen von Brauerei-Pferdegespannen, - all das führte dazu, dass über die neue Kneipe gesprochen wurde. Und „Mund-zu-Mund-Propaganda“ ist ja bekanntlich die beste Werbung. So etablierte sich die neue Kneipe sehr schnell und hatte einen regen Publikumszulauf. Der- Die /Pächter des „Türmchen“
Während des 45-jährigen Bestehens der Gaststätte „Türmchen“ gab es folgende Inhaber:
• Walter Meyer (Eröffnung 4. April 1976)
• Almut und Andreas Waiblinger (ab Juni 1990)
• Horst Greubel (ab Oktober 2002)
• Torsten Germerott (ab Ende September 2006)
• Christina Rybatzki (März 2007 bis November 2020)
• Astrid und Matthias Fiss (Februar 2021 bis heute)