04/08/2026
„Wir höhlen den Mittelstand aus.“
*Klaus Schwab, WEF, Davos.
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„Die Kunst des Besteuerns besteht darin, die Gans so zu rupfen, dass man die größte Menge Federn bei möglichst geringem Geschrei erhält.“
Das legendäre Bonmot stammt von Jean-Baptiste Colbert und etwa aus dem Jahr 1670. Der war Finanzminister Ludwigs des XIV. Heute dreht man ihr den Hals gleich ganz um und wundert sich, dass sie zwar nicht schnattert, dann aber auch nicht mehr so richtig mitmachen möchte.
Lars Klingbeil plant, die Alkoholsteuer auf Spirituosen sowie die Schaumweinsteuer um zwanzig Prozent zu erhöhen.
Auf dem Papier mag das eine Steuer sein. In meiner Realität ist es die Frage, ob wir auch in Zukunft noch fünfunddreißig Menschen beschäftigen können. Manchmal habe ich den Eindruck, das Unternehmer in Berlin inzwischen für eine Art Naturereignis gehalten werden: sie sind einfach da. Wie Regen und Sonne, Tag und Nacht. Oder Steuereinnahmen per se. Man dreht einfach an ein paar Stellschrauben, erhöht Abgaben, erlässt neue Vorschriften und geht offenbar davon aus, dass sich der Rest schon irgendwie regeln sollte.
Überraschung: Nein. Das tut er nicht!
Wir verantworten den Vertrieb eines Wein- und Sekthauses, eines Hotels, einer Gastronomie und Sternegastronomie. Wir tragen Verantwortung für fünfunddreißig Mitarbeiter, für Familien, für Kredite, für Investitionen, für Lieferanten, für Winzer, für Produzenten, für Menschen, die sich darauf verlassen, dass wir unsere Arbeit erheblich besser machen als der Staat die seine.
Und deshalb macht mich diese Politik inzwischen nicht mehr ratlos, sie macht mich zornig. Denn wer glaubt, er besteuere mit solchen Maßnahmen Alkohol, hat das Geschäftsmodell der Gastronomie nicht einmal in seinen Grundzügen verstanden.
Wir verkaufen nicht Wein, damit Menschen trinken. Wir verkaufen Wein, damit wir uns das leisten können, was alle angeblich wollen: ehrliches Handwerk, gute Produkte, ausgebildete Köche, qualifizierten Service und Arbeitsplätze, die mehr sind als Mindestlohn mit Schürze. Diese Deckungsbeiträge sind kein Luxus, sie sind das Fundament. Wer dieses Fundament herausbricht, rettet keinen Staatshaushalt. Er beschädigt die Unternehmen nachhaltig, aus denen dieser Staatshaushalt überhaupt erst entsteht.
Mich ermüdet dabei nicht einmal die Steuer, mich ermüdet die Arroganz. Diese Selbstverständlichkeit, mit der Politiker glauben, jederzeit tiefer in fremde Kassen greifen zu dürfen, ohne sich auch nur eine Minute dafür zu interessieren, wie dieses Geld überhaupt erwirtschaftet wird. Jeder Euro, den der Staat verteilt, musste vorher von irgendjemandem verdient werden. Von Menschen, die morgens aufschließen, sehr lange bevor der erste Beamte seinen Sessel furzend wärmt und den Rechner hochfährt. Von Menschen, die Risiken tragen, statt sie zu verwalten. Von Menschen, die unterschreiben, während andere labern.
Man kann Unternehmen bis zur Belastungsgrenze besteuern, man kann sie moralisch belehren, man kann sie endlos mit Bürokratie und Abgaben überziehen und irgendwann verschwinden sie. Dann wird man feststellen, dass sich Insolvenzverwalter ausgesprochen schlecht besteuern lassen.
Sehr zum Wohl.
Nicht!
P.S.: Die Schaumweinsteuer wurde übrigens 1902 eingeführt, um den Aufbau der kaiserlichen Kriegsflotte zu finanzieren. Die Flotte ist längst auf dem Meeresgrund der Geschichte verschwunden. Die Steuer hat überlebt. Und nun soll sie sogar noch steigen.
Vielleicht erklärt uns Herr Klingbeil bei Gelegenheit, welche Flotte wir diesmal finanzieren.