08/11/2023
Bitte lest euch das durch. Wirklich gut geschrieben, zusammengefasst und dargestellt. Der Brief ging an die Verantwortlichen im BMG, die die aktuelle Lage und die noch schlimmer werdende billigen und bewusst so wollen.
Anfang der weitergeleiteten Nachricht:
Von: Apotheke im Ärztehaus - Oliver Hildebrandt
Datum: 8. November 2023 um 15:25:56 MEZ
An: Piechotta Paula
Kopie: Kappert-Gonther Kirsten , "Dr. Janosch Dahmen MdB" , Grau Armin , MdB , Kordula Schulz-Asche MdB , Weishaupt Saskia , Wagner Johannes , Aeffner Stephanie , MdB - Bundestagsbüro , Ganserer Tessa , Klein-Schmeink Maria
Betreff: Apotheken
Sehr geehrte Frau Piechotta, sehr geehrte Bundestagsabgeordnete der Fraktion Die Grünen,
ich bin es wieder.
Trotz des vehementen Schweigens Ihrerseits versuche ich die Kommunikation aufrecht zu erhalten.
(letzte E-Mail war vom 10.10.23! – und somit nun die 4. unbeantwortet E-Mail! Es hängen aber zum nachlesen alle weiteren unten noch mal dran 😉)
Wobei ich eigentlich auch der Meinung bin, dass es Ihre Aufgabe als gewählte Parlamentarier wäre, mit einem normalen Bürger wie mir über bestehende Probleme zu sprechen. Aber vielleicht können Sie mir einfach keine Antworten liefern, weil Sie zu den Themen kein Wissen oder keine Meinung haben und deshalb lieber schweigen. Aber auch das wäre schade und auch ein gewisses Eingeständnis.
Nach der Vorstellung der desaströsen Vorschläge einer Apothekenreform (dazu hatte ich Ihnen schon geschrieben!) hat nun das BMG gestern ein paar Eckpunkte vorgestellt, die zeigen sollen wie toll die Reform von Herrn Lauterbach doch ist und was dabei alles gespart werden kann. Diese Punkte würde ich gern mit Ihnen besprechen (auf Grund fehlender gegenseitiger Kommunikation, erläutere ich es Ihnen eben als Monolog):
Wenn in Filialverbünden Labor und Rezeptur nur noch an einem Standort vorgehalten werden müssen, fallen laut BMG diverse wiederkehrende Investitionen weg. Durch die Streichung von „Ersatzbeschaffungen und Nacheichungen“ ergeben sich demnach jährlich Einsparungen von rund 1500 Euro pro Standort. Bei Umsetzung in allen aktuell 4700 Filialen könnten bis zu 7 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden.
Bei diesem Punkt fallen mir mehrere Punkte auf.
Laut Herrn Lauterbach, sollen diese „light Apotheken“ also ohne Rezeptur und Labor nur in besonders strukturschwachen Regionen erlaubt sein – hat er mehrfach erwähnt! – nun werden aber in die Berechnung von einem möglichen Sparpotential alle Filialen einbezogen. Hat er also gelogen?! Oder sind diese Zahlen wieder Fake-News des BMG ?
Diese Einsparungen treten auch nicht sofort in Kraft – da das Material ja vorhanden ist – eine Ersatzbeschaffung bzw. Neueichung ist gerade einmal alle paar Jahre nötig. Das Einsparvolumen würde also nur extrem wenigen sofort eine Entlastung bringen.
Was glaubt das BMG eigentlich wer wir Apotheker sind? Wenn wir eine funktionierende Rezeptur in der Apotheke haben, würde wohl kaum einer einen Patienten wegschicken – „Bitte fahren Sie doch 20km bis in die Hauptapotheke – dort führen wir noch solche pharmazeutischen Dienstleistungen durch!“ – Was wiederum auch ökologisch ein totaler Irrsinn ist! Oder ist gerade Ihre Partei der Meinung, dass die Patienten für solche Dienstleitungen noch mehr fahren sollten?
Auch Neugründungen von Filialen werden durch die Streichung von Labor, Rezeptur oder Notdienstzimmer billiger: Rund 20.000 Euro lassen sich laut BMG an Anschaffungskosten einsparen – bei 100 Neueröffnungen pro Jahr macht das 2 Millionen Euro pro Jahr. Hinzu kämen Einsparungen für Raumerwerbs- oder -mietkosten, diese seien allerdings nicht bezifferbar.
An dem Punkt wäre, wenn man diese „light Apotheken“ überhaupt für nötig hält, noch etwas Wahrheit dabei. Ja wenn ich kleinere Räume miete und weniger Inventar brauche, spare ich – das hat das Mathegenie im BMG gut erkannt. Ob es aber wirklich nach einer solchen Reform überhaupt noch zu Neugründungen kommen wird bleibt mehr als fraglich!
Personalkosten in nicht genannter Höhe lassen sich durch die geplanten Vertretungsmöglichkeiten für PTA in Filialen bei Nutzung von Videokonsultationen einsparen. „Soweit dadurch weniger höher qualifiziertes Personal eingesetzt wird, ergeben sich entsprechende Einsparungen.“
Dieser Punkt stimmt auch nur bedingt – natürlich sind die Personalkosten niedriger, wenn ich keinen Apotheker vor Ort benötige, aber die dann vertretungsberechtigte PTA wird auch einen höheren Lohn als eine „normale“ PTA einfordern. In diesem Punkt fehlt im übrigen auch die Definition über die nötige Qualifikation. Mit dem gerade erst in Kraft getreten PTA-Reform-Gesetz (1.1.2023) sind die PTAs in Ihrer beruflichen Freiheit eher noch eingeschränkt worden und haben weniger Befugnisse erhalten und nun sollen diese auf einmal vertreten dürfen? Es müsste also nochmals der Beruf der PTA reformiert werden, es müssten zusätzliche Weiterbildungen geschaffen werden – und was glauben Sie – diese werden wieder Geld kosten und nicht sparen.
Auch aufgrund von flexibleren (also kürzeren) Öffnungszeiten könnten Personalkosten wegfallen. „Grundsätzlich ergibt sich hierdurch ein Einsparpotenzial für den Nichteinsatz des benötigten Personals.“
Ja, auch hier hat der Chefmathematiker des BMG ganze Arbeit geleistet, aber leider ohne Ergebnis. Kürze Öffnungszeiten, bedeuten weniger Personal, bedeutet weniger Kosten. Richtig! Aber trotzdem falsch! 6 – setzen!
Kürze Öffnungszeiten, bedeuten auch weniger Kunden/Patienten versorgen zu können – vielen Kunden werden dann auf andere Versorgungswege ausweichen (ich weiß, darauf freut sich Ihre Partei schon! – Schönen Gruß nach Holland!), die Vor-Ort-Apotheke hat also auch weniger Einnahmen – ich glaube daher nicht, dass eine Reduzierung der Öffnungszeiten eine wirkliche Entlastung der Apotheken bedeutet, sondern eher das von der SPD und scheinbar auch den Grünen herbeigesehnte Apothekensterben weiter voranbringen wird.
Andere Maßnahmen habe man bereits auf den Weg gebracht, etwa die „Abschaffung des Präqualifizierungsverfahrens für apothekenübliche Hilfsmittel in Apotheken und der damit einhergehenden nicht erforderlichen Doppelprüfungen sowie die Einschränkung der sogenannten Null-Retaxation“. Durch beide Maßnahmen würden die Apotheken langfristig von Bürokratie entlastet. So würden die Apotheken im Bereich der Hilfsmittelversorgung um circa 12 Millionen Euro entlastet, zum Thema Retax wird keine Summe genannt.
Weitere Einsparungen soll das E-BtM-Rezept bringen – bei circa 16 Millionen BtM-Rezepte pro Jahr kämen 1,35 Millionen Euro zusammen. Und auch die Streichung des BtM-Status bei Medizinalcannabis bringt bei rund 800.000 Verordnungen pro Jahr alleine für die Apotheken einen um circa 2,25 Millionen Euro geringeren Aufwand.
Wenn es nur endlich schon so weit wäre, dass die Präqualifikation für Hilfsmittel abschafft wäre – leider streuben sich die Krankenkassen wieder einmal dagegen und die sogenannte Selbstverwaltung wird wohl wieder einmal das Schiedsverfahren einleiten müssen – was wiederum den Prozess verlängert! Wäre es wirklich politischer Wille, dass dieses Bürokratiemonster abgeschafft werden soll, hätten die politischen Entscheidungsträger das auch so definitiv geregelt! Ich sehe schon, dass nach einem Schiedverfahren 3 Positioen herausfallen, man aber diesen ganzen Mist dennoch durchlaufen muss und somit nichts gespart hat!
Wo bitte sollen E-BtM-Rezepte Kosten sparen? Dazu hätte ich sehr gern eine detailierte Auflistung! Der bürokratische Akt der Dokumentation muss doch dennoch vollzogen werden!
Und die Streichung des Medizinalcannabis aus dem BtM-Status, macht vielleicht für einige Apotheken etwas Entlastung, für den Großteil spielt dieses Thema aber keine Rolle!.
Alles in Allem, kann ich nicht erkennen, wie diese Zahlen zum Einen zustande gekommen sind (wahrscheinlich war das hochgepreiste Cannabis im Spiel) und wie diese Zahlen die Vor-Ort-Apotheke entlasten sollen. Das BMG rechnet ja gern mit Durchschnittszahlen, daher hier einmal meine Gegenrechnung:
9 Mio € Einsparung / 17500 Apotheken = 514 € Einparung/Apotheke !!
Nimmt man nun noch die schon beschlossenen und weiteren Einsparmöglichkeiten dazu:
15,6 Mio € Einsparung / 17500 Apotheken = 891 € Einsparung/Apotheke
Wir rechnen zusammen: 514 + 891 = 1405 €
Glaubt das BMG wirklich, dass es die Versorgung der Bevölkerung sichert, in dem sie die Apotheken mit 1405 € im Jahr entlastet?
Viele Betriebe laufen defizitär. Die Inhaber leben von Reserven oder beuten sich zu einem Hungerlohn selbst aus, unser Personal benötigt und fordert mehr Lohn! Und das alles soll durch eine theoretische, durchschnittliche und eher unwahrscheinliche Entlastung von 1405 € pro Jahr gesichert sein?
Glauben Sie wirklich an diesen Unsinn?
Ich erwarte, dass Sie dem BMG im Parlament die richtigen Fragen stellen! Dieser Unsinn kann und darf so nicht beschlossen werden!
Des Weiteren spielen wir Apotheken gerade Versuchskaninchen in der schönen neuen digitalen E-Rezept Welt. Wir sind bemüht und gewillt das umzusetzen, aber durch die nun sich immer mehr häufenden E-Rezepte sehen wir auch die vielen Probleme die damit verbunden sind und komischer Weise, in den letzten Jahren in den eigentlich geprobt werden sollte, scheinbar nicht erkannt, oder beachtet worden sind! Ich bin echt gespannt wie hoch die Retaxationen in einem Jahr sein werden, weil auf den E-Rezepten irgendwelche Fehler aufgetaucht sind, für die sich heute aber weder Gematik, noch Arzt mit PVS oder Apotheke mit AVS , verantwortlich sehen.
Aber auch dafür trägt dann die Politik natürlich keine Schuld!
Der Protestmonat der Apotheken bundesweit ist angelaufen und wird hoffentlich auch von Ihnen wahrgenommen!
Die Ministerpräsidentenkonferenz hat sich ausdrücklich für eine finanzielle Stärkung der Apotheke Vor-Ort ausgesprochen, hören Sie auf die Länder!!
Herbstliche Grüße
Oliver Hildebrandt