Soylent Green

Soylent Green 365 Tage im Jahr und 7 Tage die Woche für euch da. Jeden Tag ab 18:00 solange, wie noch etwas los ist und ihr trinken könnt.

Gemütliche und urige Kneipe im Herzen Kölns. Bei alternativer bis rockiger Musik (keine Konzerte/ no live gigs) und lockerer Atmosphäre sind wir jeden Tag bis in die frühen Morgenstunden für euch da. ...Oder auch mal später ;)

Ob Billard, Kicker, Schocken, Poker, Doppelkopf oder auch Schach, das Angebot ist groß und die Preise absolut human.

07/02/2026

Da isser ja.... Dä "Plan" für 2026....

Haben wir bekommen am 03.02., also großzügige 9 Tage vor Weiberfastnacht. Reichlich Planungsvorlauf... für das Amt. Für uns Gastronomen... ach egal, wir brauchen sowas doch nicht. Es gab auch sonst keine Info. Wir erfuhren alles aus der Presse, ebenso wie Gastrokümmerer des Ordnungsamtes, die wir ja ansprechen sollen bei Fragen, damit der Rest des Amtes Ruhe vor uns hat. Die Abteilung Grossveranstaltungen funktioniert derzeit als Blackbox.

Nachdem wir im Vorfeld des Karnevals 2025 gute Gespräche mit der neuen Ordnungsamtsleitung führen und tatsächlich auch ganz zögerlich Bewegung in das starre Sperrkonzept bringen konnten (zaghafte Öffnung der Kyffhäuser Str.), hatte sich das im Vorfeld des 11.11.2025 schon wieder erledigt. Versprochene Fortsetzung des Dialogs - Fehlanzeige. Der neue Leiter ist auch schon wieder weg und macht jetzt das Büro des neuen OB, der neue ist bislang unbekannt, kommt aber dafür wieder von der CDU - was für gewöhnlich ein Garant für Klüngelanfälligkeit ist, wie wir aus leidvoller Vergangenheit wissen. Und der Klüngel will einen Auftrag für befreundete Dienstleister, der möglichst teuer ist. Der Klüngel will möglichst viele Zäune, möglichst viel Personal, möglichst viel Auftragsvolumen, einen möglichst großen Kuchen. Aber wir kennen den Mann ja wie gesagt noch gar nicht, das sind nur reflektierte Befürchtungen aufgrund empirischer Erfahrung. Fest steht bislang nur, dass das Bedürfnis nach Abstimmung mit Akteuren vor Ort, vor allem solchen, die als Gewerbe darauf angewiesen sind, dort auch Geld zu verdienen, noch nicht im Vordergrund steht. Und das ist enttäuschend. Seit 8 Jahren nun kämpfen wir, verlieren jedes Jahr mehr Geld, Nerven und Hoffnung, weil es einen Schritt vor und dann wieder zwei zurück geht. 5 Ordnungsamtsleiter in diesen 8 Jahren inclusive...
Im Moment geht es wieder zurück....

Zur Sache:

1. Der Abbau der Attraktivität und somit der Verzicht auf die "Feierzone" auf der Uniwiese ist nach wie vor völlig alternativlos. Wer möchte, dass wir von den in den letzten Jahren wie Hänsel und Gretel zum Hexenhaus angelockten Kiddies aus halb Mitteleuropa auch wieder welche verlieren, der darf da nix mehr anbieten, was Laune macht. Wie gesagt, es geht da nicht um unsere Kölner Kids, für die darf man gern irgendwo was anbeiten, nach Möglichkeit dezentral, aber da reden wir von unter 10.000 und nicht über 100.000. Die kommen von weit außerhalb und die hatten wir in dieser Größenordnung nie, bevor die Stadt ein als Ausweichsfläche getarntes Kinderfestival auf der Wiese organisiert hat. Also fott damit und ein paar Sessionen durchhalten, bis das auch überall angekommen ist, dass da jetzt keine Bespassungszone mehr stattfindet. Daran wenigstens scheint man noch festzuhalten, gut so. Das war aber auch schon der einzige positive Teil.

2. Man kann in den Kernbereich des Kwartier Latäng, bestehend aus Zülpicher Straße, Zülpicher Platz, Kyffhäuser Straße und den Verbindungsstraßen Heinsbergstraße und Hochstadenstraße so etwa 25.000 Leute unterbringen, wenn man sie relativ frei zirkulieren lässt in diesem Dreieck. Macht man aber nicht. Man sperrt die Verbindungsstraßen, stopft die Zülpicher Straße voll und so nach 10.000 bis 12.000 Menschen macht man dicht und leitet alles auf die Wiese um. Man verschenkt also im Veedel selbst nicht nur Platz, sondern sorgt auch dafür, dass die 8 Kneipen in Kyffhäuser und Heinsbergstraße, sowie die 7 dortigen Imbissrestaurants null Geschäft mehr machen. Andere Nebenlagen ebenso nicht mehr.
Das Ordnungsamt argumentiert regelmäßig, man würde die Leute ja gar nicht davon abhlaten, auf die Kyffhäuser zu gehen und das stimmt sogar rein technisch meistens. (man hat uns auch schon ganz abgeschnitten) Aber den Mechanismus, der am Ende eiegntlich dafür sorgt, dass es doch so ist, den begreift man da in einer Art kindlicher und authistisch anmutender Mantrarezitation einfach nicht, egal wie oft man das erklärt... Daher hier nochmal, ganz enfach:
Da kommen sehr viele Menschen von außerhalb. Die kennen sich da nicht aus, die haben da nicht ihre Stammkneipe. Die haben gehört "Zülpicher Strasse" is geil, da muss ich hin. Die nutzen die Kyffhäuser Str. und andere Nebenstrassen nur als Transitstrecke um auf die Zülp zu kommen. Was dann früher passiert ist, bevor man alle Laufwege im Veedel mit Zäunen zugestellt hat, war das Ausweichen der Menschen, denen es auf der Zülp zu voll wurde in die Nebenstraßen und so wurde das ganze Veedel belebt, was allen Gastronomen Jahrzehnte lang ein ordentliches Karnevalsgeschäft ermöglichte. Ein Geschäft, das man auch braucht, eine Geschäft, dass auch Ortsansässige Vermieter gern und regelmässig in den veranlagten Mietzins mit einfliessen lassen und ohne das man ernsthafte Probleme bekommt. Probleme von denen die Gastro auch schon anderweitig genug hat... Als Crowdmanager würde man von einer Verteilung auf die Fläche gesprochen haben. Für uns war es schlicht das Karnevalsgeschäft. Jetzt klappt das mit dem Verteilen in die Fläche nicht mehr. Zum einen sind die direkten Wege weg von der Zülp, über Heinsbergstraße und Hochstadenstraße schlicht dichtgemacht und zum anderen ist halt bekannt, dass die Stadt -nachdem man die völlig überraschend eingetretene Überfüllung der Zülp festgestellt hat- niemanden mehr auf die Zülp rauflässt, weshalb auch niemand von ihr runtergeht, weil man ja damit rechnen muss, nicht mehr drauf zu kommen. Was früher halt eine Art "free-flow" im Dreieck Zülpicher Straße. Zülpicher Platz/Hochstadenstraße/Heinsbergstraße und Kyffhäuser Straße war, ist jetzt nur noch ein statisches Presswurstquetschen des langen Zülpicher Schlauchs, wo die Leute so lange ausharren, wie sie können, weil runtergehen heisst, Du bist raus und bleibst raus. Und das hat früher halt anders funktioniert. Da hat eben nicht nach 10-12tsd jemand die Tür zugemacht, sondern man hat weiter laufen lassen und die Leute haben sich von ganz allein verteilt und sind im Veedel zirkuliert. Das geht aber nur so bis ca. 25.000 Leute. Danach wird es kritisch, wie wir am 11.11.2017 gesehen haben, was ja der Auslöser für das ganze Ding hier war.
Daher macht es schon Sinn, Massen steuern zu wollen und im Zweifel auch den Zulauf begrenzen zu können. Aber das was hier betrieben wird ist nicht nur ineffektiv und verhindert eine gute Nutzung der verfügbaren Flächen, es ist auch sauteuer und hinterlässt verdammt viel verbrannte Erde. Die Belebung der Kyffhäuser Straße zu Karneval 2025 war erfolgreich, als wir eine der beiden Stichstraßen geöffnet haben, das kann jeder Kollege dort bestätigen. Jedoch schon zum 11.11.2025 wieder hatte sich das erledigt, weil man zwar von der Zülpicher Straße aus Leute in die Kyffhäuser reingelassen hat, das aber niemand wirklich erkennen konnte, weil eben die Abzäunungen doch wieder sichtbar da standen, um eben Menschen von der Kyffhäuser Straße nicht in die andere Richtung zu lassen, also nicht mehr Richtung Zülpicher und das ganze so aussah, als wär da kein Weg durch und falls doch, keiner mehr zurück. Da war er wieder, der wiehrende Amtsschimmel.... Erstens ein Bild erschaffen, das klar von weitem schon deutlich nach Sperre aussieht, incl. keinen mehr zurücklassen und dann wundern, dass den Weg dann keiner gehen will. Zack, schon hat man das Grundproblem wieder hergestellt. Und dann nimmt man den ja "offensichtlich erfolglosen" Versuch als Beleg dafür, dass das ja alles Unsinn ist und man es wieder so macht wie vorher, also alles wieder schön sperren... Da bekommt man schon Zweifel an der Ernsthaftigkeit des zwischenzeitlich gemachten Bekenntnis "wir wollen die Kyffhäuser Strasse wieder beleben". Wir hatten noch ganz andere Maßnahmen vorgeschlagen, die aber auch abgelehnt wurden und das was man zugelassen hat, hat man dann so ausgeführt, dass es nicht funktionieren konnte. Rückblickend klare Hinhaltetaktik, um Klagen vorzubeugen. Vielen Dank für nix...
Dahinter steckt auch der Wunsch, mit einer möglichst verwaisten Kyffhäuser Straße inmitten des brodelnden Chaos einen leeren Raum zu haben, den man zur RTW-Anfahrt nutzen kann oder zur möglichen Entfluchtung der Zülpicher Straße. Wenn man das so betrachten würde, würde das einen gewissen Sinn ergeben, dann muss die Stadt aber auch eingestehen, dass die Verödung der Kyffhäuser klarer Vorsatz ist und für diesen enteignungsgleichen Eingriff in unsere Gewerbefreiheit auch die Verantwortung übernehmen, was sie aber -völlig überraschender Weise- auch nicht will.
Was die ganze Posse aber noch bedeutet nun im nächsten Punkt.

3. Nachdem wir aufgrund der Jahrelangen europaweiten Bewerbung unserer Umsonst-und-Draußen Minderjährigen-Feierfläche auf der Wiese inzwischen einen Bekanntheitsgrad bis hin in die New York Times generiert haben, ist klar, dass wir die ursprünglich mal gesetzten 25-30tsd Menschen so nicht wieder erreichen werden, sondern das es mehr bleiben werden. Nicht mehr soviele wie in der Spitze am 11.11.2023, wo es im Durchlauf sicher 150.000 gewesen sind, aber halt immer noch deutlich mehr. Das nimmt langsam leicht ab, weil der eine Hotspot "Wiese" jetzt weggefallen ist und nur der zweite, die "Zülp" übrig bleibt. Aber das sind immer noch deutlich mehr als vorher, sagen wir mal 50-60tsd. Das ist immer ein wenig unterschiedlich, je nach Datum und Wetter. Der 11.11. ist immer voller als Weiberfastnacht und je nach Wochentag und Wetter auf den dieser fällt, wird es mehr oder weniger. Ist halt auch dem Umstand geschuldet, dass es mittlerweile halt primär Auswärtige sind, die da anreisen, der Kölner Karnevalist ist da eher zuverlässiger und unabhängiger von Wochentag und Wetter.
Da wir in den Kernbereich des Kwartier Latäng nun nur noch so 12tsd reinlassen, nämlich bis die Zülp voll ist und nicht mehr wie früher 25tsd, als die dann in die anderen Straßen diffundiert sind, haben wir schonmal die gleiche Menge, die vor der Tür steht, als wie dahinter. Aber es kommen ja nicht 25, sondern mehr, also die 50 oder 60 tsd.... Und die verteilen sich jetzt in Straßen, die früher relativ unberührt vom karnevalistischen Treiben auf der Zülp waren, nämlich in die Luxemburger Straße und die Lindenstrasse. Die sind auf einmal so voll wie die Zülp selbst und was da nicht mehr reinpasst, schwappt dann in die Südstadt bzw. ins Belgische Viertel. Gut, die Südstadt hatte das früher schon, die hatten nur etwas Entlastung, als man alle zu uns auf die Wiese gelotst hat. Die Altstadt ist ja insofern "befriedet", als das man die Kiddies dort erfolgreich über die Generierung einer großräumigen und vor allem Eintrittsbewährten Veranstaltungsfläche ausgeschlossen und zu uns geschickt hat.

Als Ergebnis hat man also nach 8 Jahren Sperrkonzept eine massive Steigerung des Zulaufs vor allem sehr junger Klientel von Auswärts, die wenig Kaufkraft aber viel Problempotential mitbringt, und sich auf eine Fläche ausbreitet, die nicht wie früher den Kernbereich des Kwartier Latäng, sondern inzwischen das Gesamte Veedel und angrenzende Lagen mit umfasst und zig Millionen kostet und alle Kräfte bündelt. Und die Stadt, die diese "Erfolgsstory" verfasst hat, hält es heute weniger denn je für angebracht, mal mit den Menschen zu reden, die den Karneval dort seit Jahrzehnten persönlich, live, hautnah und mit professionellem Hintergrund erleben und die Zusammenhänge dort deutlich direkter begreifen, als man dies -mit Verlaub- von einem Bürostuhl aus kann, vor allem, wenn dieser regelmäßig den Besitzer wechselt und jeder Neue hier die Entwicklung nur vom Hörensagen kennt.
Diese Hybris der Stadt ist nicht nur unverständlich, sie tut weh und macht -erstaunlich nach all den Jahren- immer noch furchtbar wütend. Keine Info, keine Einbeziehung, keine Planungsgespräche, ja nichtmal der viel geschmähte runde Tisch, der zwar entgegen seiner ursprünglichen Ankündigung nie ein Instrument der Mitbestimmung war, aber zumindest mal Ansprechpartner für einen Austausch greifbar machte... Nichts mehr. Das Ordnungsamt agiert derzeit als Blackbox... womit wir wieder am Anfang wären. Buchstäblich.

4. Was wir viel früher als das aktuelle Sperrkonzept erfahren haben -natürlich wieder aus der Presse- war jedoch die Absicht des Ordnungsamtes, Gaststätten, in denen Karneval gefeiert wird, auf Überfüllung zu prüfen. Na danke schön!
Für die Leute, die sich da nicht so auskennen: Ab 200 Leute (und jeder Gastwirt, der was auf sich hält im Karneval hat mehr als 200 Leute in der Bude) fällt man unter die sog. "Versammlungsstättenverordnung" (VStättVO). Damit gehen eine Vielzahl besonderer Pflichten einher, die weit über das hinausgehen, was eine normale Gaststätte für ihren Regelbetrieb so braucht. Um es kurz zu machen, 90% der Gaststätten sind nicht abnahmefähig als Versammlungsstätte nach VStättVO. Da fehlt es schlicht an den baulichen und technischen Voraussetzungen, selbst wenn man sich die Mühe machte, noch schnell ein Brandschutzkonzept zu schreiben. Das ist nicht neu, das war schon immer so, seit es diese Verordnung gibt, nur hat man im Kölner Karneval da immer Fünfe grade sein lassen, wie mit so vielem in der fünften Jahreszeit. Das macht sie ja auch aus, dass da Regeln mal ein wenig weniger Bedeutung haben. Das das Amt das jetzt prüfen will bedeutet aber, dass die Mehrheit der Kneipen-Feierhotspots Gefahr läuft, mitten im Hochbetrieb geschlossen zu werden und es reine Glückssache ist, ob Du an Karneval Deine Investition in Ware, Personal, Sicherheitslogistik und Vorverkauf wieder raus bekommst oder auf allem sitzen bleibst und im Zweifel Miese machst. Hängt nur davon ab, ob Du zu den Glücklichen gehören wirst, die geprüft werden oder nicht. Reine Willkür also. Da dies vom Personalaufwand abhängt, den das O-Amt betreiben kann und die Majorität der Mitarbeitenden des Amtes bei uns im Kwartier Latäng eingesetzt ist, haben wir so eine Befürchtung, WO Prüfschwerpunkte liegen könnten. Wie gesagt, wir haben ja sonst schon keine Probleme. Da kann man ruhig noch mal drauftreten, der zuckt ja noch...
Natürlich kann man auch einfach sehen, dass man bei 190 Leuten Einlass-Stop macht und bei Läden, die sonst nur 220 reinkriegen würden, würde sich der Schaden vermutlich noch in Grenzen halten, aber was ist mit denen, die auch 250, 300 oder 350 reinkriegen würden, wenn man traditionell die Tische und Stühle rausräumt, um Platz für de Karawane zu schaffen? Die halbieren dann Ihren Umsatz, ganz zu schweigen, dass das mit der Stimmung dann schwer wird und es auch nicht leicht ist, den Füllgrad exact im Auge zu halten. Klar, man will keine Fallen wie in Crans Montana. Aber das waren ja auch besondere räumliche Gegebenheiten mit einem unübersichtlichen Keller. Bei uns läuft das in aller Regel eher ebenerdig und Fallen ohne Ausweg sind da eher nicht zu befürchten. Aber das wird sicher nicht der Maßstab sein, mit dem dann geprüft werden wird.

5. Am Ende ist das alles wieder hochgradig unbefriedigend und wird mehr und mehr Existenzbedrohend für unsere Gastro. Es gibt Lösungen, die unser Veedel wieder fröhlicher und weniger überfüllt machen würden. Nicht über Nacht, aber mit den richtigen Ansätzen in absehbarer Zeit. Es gibt Lösungen, die nicht dafür sorgen, ein Gefängnis-Szenario über das Kwartier Latäng zu legen, Räume und Laufwege zu verknappen und Millionen und Aber-Millionen dafür jedes Jahr an Klüngelfirmen umzuleiten. Aber im Moment ist dazu keine Bereitschaft zu erkennen, denn dafür wird die Stadt mit uns reden müssen und eine echte Beteiligung herstellen, statt sich wieder in eine Blackbox zu verwandeln, denn liebe Stadt Köln, Du hast leider sehr nachhaltig bewiesen, dass Du es alleine nicht kannst. Das Ergebnis der jahrelangen Bemühungen spricht da eine eindeutige Sprache. Zulauf vervielfacht, statt eingedämmt, Kosten explodieren lassen und Gewerbe im Veedel nachhaltig geschädigt, vom Ruf des Kölner Straßen- und Kneipenkarneval, der inzwischen von diesen Zuständen determiniert wird, mal ganz zu schweigen. Das ist KEINE Erfolgsstory!
Und trotzdem... immer noch sind wir offen für Gespräche. Immer noch sind wir bereit, uns einzubringen. Unsere Zeit, unsere Experiese, ohne was dafür zu wollen, ausser wirklich ernst genommen zu werden. Obwohl man uns immer wieder verladen und ignoriert oder sogar verächtlich gemacht hat. Immer noch sind wir der Meinung, dass das nur miteinander geht. Wir haben lange darüber nachgedacht, einfach den Klageweg zu beschreiten. Aus schierer Verzweiflung. Aber das ist teuer und riskant. Wer mit einer Stadt, die im Zweifel über Millionen (unserer) Steuermittel verfügt, vor Gericht in einen teuren Gutachterwettstreit mit auch immensen Streitwert geht, muss wirklich frisch sein und im Zweifel einen langen Atem haben. Das trifft auf die Gastro nicht zu, die Jahr für Jahr härter um ihr bloßes Überleben kämpft. Für uns wäre das ein One-Shot Harakiri-Spiel, eine allerletzte Karte. Nicht nur deswegen appellieren wir, gehört zu werden. Einfach auch aus der Überzeugung heraus, dass man erfolgreich Dinge nur dann bewegt bekommt, wenn alle wirklich wollen und mit echtem Interesse zusammenarbeiten. Aber das ist derzeit nicht in Sicht.

Wir wünschen allen einen frohen und erfolgreichen Karneval, hoffentlich ohne unschöne Zwischenfälle. Wir versuchen wie immer das Beste draus zu machen, auch wenn es jedes Jahr schwieriger wird.

Eure Gastro Kwartier Latäng

26/02/2025

Ein Tag vor Weiberfastnacht wird es spannend.

Zum ersten mal seit Etablierung des unseeligen Sperrkonzeptes für das Kwartier Latäng kommt real Bewegung in die Sache.
Nach 7 Jahren harten Kampf und Widerspruch gegen diverse Versuche, unsinnige Narrative für die Bespielung der Uniwiese zu etablieren, von Seiten derer, die damit Geld auf Kosten der Anwohnenden und anliegenden Gewerbe verdienen wollen, hat die Stadt anscheinend inzwischen verstanden, dass sie sich ein immer weiteres Anwachsen des Besucherzustroms sehr junger Menschen aus halb Europa, konzentriert in einem Wohn- und Kneipenviertel mit einer Wiese im Landschaftsschutzgebiet nicht länger leisten kann. Finanziell nicht, Logistisch nicht, Politisch nicht und auch aus Sicherheitsgründen nicht. Diese Einsicht war überfällig und wäre sie früher gekommen, wären die Probleme, die sich hieraus ergeben kleiner gewesen.

Die Uniwiese wird nun Stück für Stück unattraktiver gemacht. Man verringert die Fläche, man verringert die Bespielung, man reduziert die Fläche auf das, was sie im rechtlichen Sinne ja eigentlich ist, nämlich auf eine reine Auslaufzone, aber eben kein Veranstaltungsgelände. Ziel ist es, den Trend des immer weiter wachsenden Zustroms zu stoppen und ggf. umzukehren. Weniger ist mehr.

Das birgt natürlich Gefahren.
Wie das so ist bei Trends, sie brauchen Zeit. Genauso wie es einige Jahre gedauert hat, den Zulauf von 30.000 auf 150.000 zu steigern, wird man einige Jahre brauchen, um das wieder zurückzufahren.
In dieser Zeit drohen Überlastungssituationen!
Darüber muss man sich klar sein. Macht man eine Fläche, in der in der Vergangenheit bis zu 80.000 Leute Platz für eine Party hatten kleiner und langweilig, weil man die Bespielung zurückfährt, dann werden die woanders hinwollen.
Da die Zülpicher Straße gut gesichert ist, werden sich Teile der Masse wie zuvor auch schon auf die Luxemburgerstraße bewegen, aber auch auf die Lindenstraße und von dort aus Richtung Aachener Straße und Belgisches Viertel.
Als kleines Angebot wird man innerhalb des Sperrbereiches den Zugang zwischen Kyffhäuser und Zülpicher Straße über die Heinsbergstraße öffnen. Leider nicht auf eine optisch besonders einladende Art, aber wir hoffen, dass dies dazu beiträgt, die Menge innerhalb des Sperrbereiches etwas zu entzerren und mehr Menschen von der Zülpicher auf die Kyffhäuser Straße zu bringen. Schafft gleichzeitig auch etwas mehr Aufnahmekapazität.
Aus Sicht des Crowdmanagement sollte das handlebar sein, wichtig ist nur, dass die Zugänge in die Sperrzone, da wo schon sehr viele sind und wo durch die Absperrungen teilweise unserer Meinung nach auch künstliche Eng- und Gefahrenstellen geschaffen wurden, gut gesichert sind, denn ein Durchbrechen von einigen Tausend Menschen hier an einer ungünstigen Stelle könnte gefährlich werden. Aber wir sind sicher, die Polizei weiß das und ist hier vorbereitet.

Ob man im weiteren Schritt in der Lage sein wird, substantiell Menschenmassen aus dem Kwartier Latäng abzuziehen und woanders zu bespaßen, wo das für die Stadtgesellschaft verträglicher ist, bleibt abzuwarten. Das werden wir dann am 11.11.2025 sehen, wenn die Stadt enthüllt, welche Ausweichveranstaltung sie plant.
Ungeachtet dessen, kann es nicht verkehrt sein, die Attraktivität der bestehenden Location zu senken, um den Zustrom nicht weiter eskalieren zu lassen.

Sorgen machen wir uns natürlich über die Drohungen terroristischer Anschläge auf den Kölner Karneval. Auch wenn der Kernbereich des Kwartier Latäng recht gut gesichert ist, kann man unmöglich ausschließen, dass nicht irgendwo nebenan ein Auto in eine Menge krachen kann oder ein Irrer irgendwo einen Sprengsatz deponiert, wo er Menschen töten und zusätzlich noch eine gefährliche Panik in die Menge bringen könnte. Hierüber machen wir uns natürlich große Sorgen, sagen aber gleichzeitig auch, dass wir uns von solchen Verbrechern nicht in Geiselhaft nehmen lassen wollen.
Daher an alle Feiernden: Lasst Euch den Spaß nicht verderben, aber habt ein waches Auge, z.B. auf einsam stehengelassene Taschen oder Rücksäcke. Es wird reichlich ansprechbare Polizei im Veedel sein, wenn Ihr was seht.

Wir wünschen Euch trotzdem einen schönen und ausgelassenen Karneval 2025! Feiert und habt Euch lieb! 🍻❤️

Eure Gastro Kwartier Latäng

20/01/2025

Zeit mal wieder ein "wenig" (Verzeihung, das ist definitiv irreführend ;-) )zu schreiben...

Zum einen war da der runde Tisch Karneval im Rathaus vor ein paar Tagen.
Das war tatsächlich seit langer Zeit mal wieder ein interessanter runder Tisch. Neben einigen taktischen kleinen Veränderungen im Sperrkonzept, über die wir uns im Vorfeld mit der neuen Leitung des Ordnungsamtes ausgiebig austauschen konnten und die dann VIELLEICHT auch umgesetzt werden könnten zu Weiberfastnacht (der Entscheidungsprozess dauert bis Ende des Monats etwa noch an), gab es vor allem eine überraschende Ankündigung von größerer Tragweite:
Zum 11.11.2025 soll die Uniwiese nicht mehr genutzt werden. BÄHM!!!
Leider hat sich die Stadt noch nicht in die Karten schauen lassen, wie genau sie dies umsetzen will. Sicher ist, es hat was mit alternativen Veranstaltungen an anderen Orten zu tun, die aber noch nicht zu Ende verhandelt sind und von daher eben noch nicht spruchreif. Bis zum Sommer hat man aber Aufklärung versprochen. Wir sind gespannt!

Wie bewerten wir das? Grundsätzlich natürlich erstmal positiv. Der Ausstieg aus einer bespielten Uniwiese ist der Einstieg in die eigentliche Entlastung des Kwartier Latäng. Wir erinnern uns: Bis zur Etablierung der Uniwiese als bespieltes Festivalgelände war das Kwartier Latäng stark besucht, aber es waren irgendwo zwischen 25 und 30 Tsd. Menschen und die waren von der Altersstruktur recht heterogen gemischt. Der Ist-Zustand nach einigen Jahren zusätzlicher Hotspot-Generierung war dann deutlich 6-stelliger Zulauf, mit einem inneren Sperrbereich, der eine zeitweise volle Zülp, aber verwaiste Seitenstraßen aufweist, Zirkulation im Sperrbereich findet quasi nicht statt, dafür aber eine knallvolle Wiese im Landschaftsschutzgebiet, die man aufwändig abdecken muss, eine knallvolle Luxemburger Straße und mittlerweile auch Lindenstraße, Aachener Straße und Ausläufer bis hinein ins Belgische Viertel... Und kosten tut das mittlerweile etwa 5 Mio. Kölner Steuergeld im Jahr, da sind aber die Kosten des Landes (Polizei-Großeinsatz) noch gar nicht drin. Ja, da hat man ganze Arbeit geleistet.
Um zu bewerten, welche Maßnahme künftig welche Auswirkung haben könnte, muss man sich darüber klar werden, wie das alles angefangen hat. Nach dem ausgeuferten 11.11.2017 passierten in der Folge in den kommenden Jahren im Großen und Ganzen 3 Dinge:
1. Man kesselte das Kwartier Latäng mit Absperrungen ein.
2. Man bespielte die Uniwiese mit musikalischem Programm und Gastronomischer Verpflegung, umsonst und draußen ohne jede Alters- oder Zugangskontrolle.
3. Man machte die Altstadt zur kostenpflichtigen Privaten Feierzone ohne freien Zugang für mehr oder weniger Mittellose Jugendliche.
In Folge dessen löste sich die heilige Dreifaltigkeit der Feierhotspots der Jugendlichen aus Köln und dem näheren Umland auf. Waren es früher -nur mal um so eine halbwegs anschauliche Zahl zu nennen- immer so 5000 davon in der Altstadt, vielleicht 3000 im Kwartier Latäng und 2000 in der Südstadt, hat diese Neuausrichtung der Feierhotspots dafür gesorgt, dass diese sich nun alle im Kwartier Latäng verdichtet haben, denn zum einen konnten sie nicht mehr in die Altstadt und zum anderen bot die Uniwiese etwas, was man woanders nicht hatte, nämlich passgenau zugeschnittenes Programm für die jugendliche Zielgruppe. Hatten wir anfänglich noch größere Absperrmaßnahmen in allen 3 Hotspots, erledigte sich das dann sehr schnell. Die Südstadt ist quasi frei davon und die Altstadt hat dies nur noch für ihr Veranstaltungsgelände. Das Kwartier Latäng ist dafür inzwischen die Hochsicherheitsfestung - und sieht auch so aus.
Dann passiert aber das entscheidende: kleine Cluster feiernder Jugendlicher waren immer nur Anziehungspunkt für deren unmittelbares Umfeld. Nachdem man aber dann aus 5+3+2 einmal 10 Tsd. an einem Ort gemacht hatte, bekam das sehr schnell eine deutlich überregionale Strahlkraft und somit öffneten sich die Schleusen für alle möglichen jungen Leute, die jetzt nicht nur aus Köln und Umgebung kommen, sondern inzwischen mehrheitlich auch aus anderen Bundesländern und gar aus dem europäischen Ausland. Der Rest ist Geschichte und führte zu mehr als 150.000 Besuchern zum 11.11.2023, dem vorläufigen Highlight auf einem Samstag. Nachdem wir dann aber auch am 11.11.2024 sechsstellig waren, obwohl das auf einem Montag fiel und man sich alle Mühe gegeben hatte, die Kölner Kids mit schärfster Anwesenheitspflicht in den Schulen zu halten, dämmerte es der Stadt wohl endlich und endgültig, dass das, was wir vor langer Zeit schon gesagt hatten, wohl doch nicht so weit hergeholt ist, nämlich, dass wir das Potential für eine solche Veranstaltung noch lange nicht ausgeschöpft haben und das sich das bis zum 11.11.2028 ganz locker auf eine Viertel Millionen Menschen aufbauen könnte. Und soviel Personal, soviel Logistik kannst Du als Stadt Köln einfach nicht mehr stemmen. Das Konzept hat dem Ansturm vom 11.11.2023 unter Aufbietung aller Kräfte so grade eben standgehalten. Aber irgendwann ist da Ende... Und das will keiner von uns erleben.

Was würden wir uns also wünschen, was die Stadt da bislang noch im Geheimen plant?
Da schlagen 2 Herzen in der Brust. Zum einen sollten wir unbedingt was für unsere Kids tun, etwas anbieten, wo sie Karneval feiern können. Zum anderen kann es aber auch nicht Aufgabe und Ziel der Stadt sein, einen Event für die Jugendlichen aus halb Europa auszurichten - und zu finanzieren. Damit ist die Stadt klar überfordert, logistisch und finanziell. Aber die Stadt ist es, die es wird bezahlen und zum großen Teil auch organisieren müssen, auch wenn da ein Veranstalter mit ins Boot kommt, denn der Kern eines solchen Events für sehr junge Leute ist halt der, dass es nichts kostet und das macht es halt für einen herkömmlichen Veranstalter nicht refinanzierbar.
Machen wir also eine große Veranstaltung an anderer Stelle mit genug Platz, um die ganzen Kids dorthin "umzutopfen" und die Uniwiese frei zu lassen, dann werden wir das Problem verlagern, aber nicht lösen. Denn viele Zehntausend Kids auf einem Haufen hat eben genau die Strahlkraft, um weitere anzuziehen. Masse zieht Masse, die alte Grundregel...
Man muss also nach Wegen suchen, ein Programm für Kölner Kids aufzulegen, dass gleichzeitig nicht halb Europa zu uns hinzieht.
Man könnte versuchen, mehrere kleine Sachen zu machen, wo keine dieser für sich eine überregionale Strahlkraft entfaltet und über die Sperrung der Uniwiese zu verhindern, dass man sich zentral sammelt. Das ist aber kritisch, weil eben Masse die Masse zieht und Du eine solche Masse in einem dezentralen Konzept nicht erzeugen kannst. Soll heißen, die dezentralen Veranstaltungen könnten evtl. nicht angenommen werden. Vermutlich funktioniert sowas nur, wenn man die Gesamtmasse vorher deutlich verkleinert hat, was nur funktioniert, indem man ein oder zwei Durchführungen lang, die Uniwiese nicht mehr bespielen würde. Dann würden die hier angereisten Jugendlichen freilich den Rest der Stadt erkunden, was dazu führt, dass sie sich vermutlich von der Südstadt, übers Belgische bis hin nach Ehrenfeld verteilen. Aber das zentrale Element wäre weg und die Einladung für noch mehr im Folgejahr würde aufhören, sich zu multiplizieren. Dann, in diesem Szenario des deutlich abgeschmolzenen Zulaufs, da könnte eine dezentrale Strategie funktionieren.
Versucht man es mit einer zentralen Veranstaltung, ist noch nicht zu erkennen, wie man den Widerspruch "attraktiv genug, um die Leute weg vom überlasteten Hotspot Uniwiese/Kwartier Latäng zu ziehen" und "nicht attraktiv genug, um zu gewährleisten, dass es immer größer wird und uns überfordert" auflösen will. Daher sind wir besonders gespannt, was da in Planung ist.

Zum anderen gibt es zur Zeit eine Menge Grund mal ganz allgemein über eine Gefährdung der Kölner Gastro zu schreiben.

Das Urteil zum Brüsseler Platz hat einen Präzedenzfall geschaffen, der die Stadt Köln zum Handeln zwingt, was sie derzeit auf die ihr eigene, sagen wir mal sehr unbeholfene Art und Weise tut. Für diejenigen, die hier nicht informiert sind: Es gab einen über ein Jahrzehnt andauernden Rechtsstreit, in dem die Stadt von Anwohnern verklagt wurde, die Einhaltung der Nachtruhe zu gewährleisten, die aufgrund langjährig durchgeführter Messungen am Brüsseler Platz nachweislich regelmäßig nicht eingehalten wird. Dies wurde nun letztinstanzlich gerichtlich festgestellt, was die verantwortlichen Personen der Stadt nun zum Handeln zwingt, will man nicht irgendwann persönlich verklagt werden, weil man sich weigert, ein Urteil umzusetzen.
Wer sich ein wenig mit der Materie auskennt, der weiß, dass das Urteil bei der derzeitigen Gesetzeslage gar nicht anders hätte ausfallen können.
Ein paar Hundert Menschen, die sich ganz normal miteinander unterhalten, ohne dabei eine Bassbox anzuwerfen, rumzugröhlen oder sonst wie zu randalieren erzeugen einen Grundlärmpegel von um die 68db. Das haben wir sowohl am Brüsseler Platz als auch auf der Zülpicher Straße gemessen. Im ersten Stock, bei weit geöffnetem Fenster. Und das übersteigt nun mal den aktuell gültigen Grenzwert.
Jetzt muss man natürlich wissen, dass die Gesetzgebung, die Nachtruhe im öffentlichen Raum regelt im Groben aus der Gründerzeit unserer Republik stammt, aus einer Zeit, in der die überwiegende Mehrheit nine-to-five gearbeitet hat, es um 18h Abenbrot gab und man sich nach der Tagesschau langsam mit dem zu Bett gehen beschäftigt hat, es sei denn man ist noch auf nen Skat in die Wirtschaft um die Ecke, die dann aber auch gegen 22h die Bürgersteige eingeklappt hat.
Nun, diese Zeiten sind unwiderruflich vorbei und sie kommen nicht wieder, egal wie sehr man sich das wünscht oder welches Gericht auch immer ein Urteil aufgrund einer antiquierten Gesetzeslage fällt. Es gehört einfach zur Lebenswirklichkeit des 21. Jahrhunderts, dass überall auf der Welt in den urbanen Zentren das Leben praktisch 24/7 stattfindet. Hier in diesen zentralen Lagen ist die Mehrheit nicht mehr in traditionellen Lebensmodellen unterwegs. Und dennoch gibt es in diesen Zentren noch jene, die dies tun und die mit Recht einen Anspruch darauf haben, hier auch menschenwürdig und gesund weiterleben zu können.
Diesen Zustand der gegensätzlichen Ansprüche in einer Gesellschaft werden wir nur mit einem Kompromiss lösen können. Dieser Kompromiss muss sowohl der veränderten Lebensführung einer Mehrheit, als auch den Schutzbedürfnissen hier langjährig ansässiger Bürger Rechnung tragen. Und da die derzeitige Gesetzeslage einen solchen Kompromiss nicht zulässt, muss dieser Kompromiss eine Anpassung der Rechtslage an die Lebenswirklichkeit der Neuzeit beinhalten.

Spielen wir doch mal kurz durch, was passieren wird, wenn die Stadt -natürlich auf ihre einmalige, leicht unbeholfene Art- versuchen wird, das Urteil am Brüsseler Platz mit Gewalt durchzusetzen. Zäune, Verweilverbot, Vertreibung der Menschen aus den öffentlichen Raum. Kann man machen, wird aber sehr hässlich und in der Konsequenz werden die Vertriebenen nicht nach Hause gehen, sondern einfach woanders hin. Das Problem wird also nicht gelöst, sondern man verschiebt es einfach in die nächste Nachbarschaft, die dann wieder anfangen muss, sich dagegen zu wehren. In der Zwischenzeit verödet die Gastro am Brüsseler Platz, da so ein eingezäuntes Gelände und die starke Präsenz von Ordnungskräften in etwa den Charme eines Abrissbaggers versprüht und dann selbst die Gäste wegbleiben, die sonst IN die Gastro gegangen wären. Kennen wir gut aus dem Kwartier Latäng, das Spiel spielen wir seit Jahren zweimal im Jahr. Hat dem Veedel insgesamt nicht gut getan... Und das Spiel wiederholen wir dann alle paar Monate an einem anderen Hotspot, solange bis wir alles platt gemacht und eingezäunt haben oder aber die realistisch verfügbaren Kapazitäten an Ordnungskräften und Bauzäunen einfach erschöpft sind. Willkommen in Dystopia. Nein, das will wirklich keiner, außer wirklich sehr, sehr kurzsichtigen Menschen.

Andere Möglichkeiten wären das Alkoholkonsumverbot im öffentlichen Raum, dass man aber ebenso mit starker Präsenz von Ordnungskräften dauerhaft durchsetzen müsste und das verfassungsrechtlich wirklich übel angreifbar ist. Aber auch hier gilt, das Problem verlagert sich in andere Bereiche, wird aber nicht gelöst und wir spielen jahrelang Hase und Igel in der Innenstadt.
Das Alkohol-Verkaufsverbot in den öffentlichen Raum ist rechtlich deutlich einfacher durchzusetzen und bedürfte auch nur der Kontrolle einiger weniger Betriebe statt vieler Hundert Menschen, bringt aber auch nur was, wenn es flächendeckend wäre und nicht punktuell, denn sonst... siehe oben. Problemverlagerung und keine Lösung.

Wir sehen also, egal wie wir uns drehen und wenden, wir werden ohne eine gewisse Neuregelung gesetzlicher Vorgaben nicht auskommen. Und wenn wir dieses Thema schon anfassen, dann sollte man das nicht halbherzig, sondern richtig und umfassend tun.

Da wäre zunächst mal der Grenzwert. Wenn man 68db generiert, nur mit eigentlich zumutbaren Handlungen einer Masse von Menschen, dann sollte man anerkennen, dass dies auch statthaft ist und den Grenzwert anpassen. Was das in der Wohnung macht ist wichtig. Und hier sollte man einfach mal darüber nachdenken, dass es zwar ein Recht auf Nachtruhe geben muss, aber nicht unbedingt eines auf Nachtruhe bei geöffnetem Fenster. Bei geschlossenem, mit heute durchaus üblicher und anständig isolierter Doppel- oder gar Dreifachverglasung, ist das, was in der Wohnung ankommt nicht mehr als ein leises Hintergrundgemurmel. Und dies sollte zumutbar sein. Hilfen sollte es dann geben bei der Nachrüstung von Wohnungen mit entsprechenden Fenstern, soweit diese noch nicht vorhanden sind oder Klimaanlagen, denn im Sommer können nächtlich geschlossene Fenster natürlich durchaus problematisch sein. Daher sollte man Vermietern in solchen Lagen eine rechtliche Pflicht mitgeben, für solche Installationen zu sorgen. Warum sollte die öffentliche Hand hier Beihilfen leisten? Ganz einfach: Sie hat über Jahrzehnte versäumt, Fehlentwicklungen wirksam mit gesetzlichen Vorgaben ein Korrektiv entgegenzusetzen. In keinem anderen europäischen Land ist die Abgabe von Alkohol rund um die Uhr in den öffentlichen raum derart unreguliert wie bei uns. Und dies ist ein Problem.
Was man weiterhin sehen muss, ist, dass die Nachtruhe ab 22h in den Zentren der Städte schlicht nicht mehr zeitgemäß ist. Hier sollte man eine Verschiebung nach hinten einrichten, z.B. 24-07h.
Gleichzeitig mit der Verschiebung der Nachtruhe in einen zeitgemäßen Rahmen und der Anpassung der Grenzwerte an realistische Lebenswirklichkeiten muss man aber auf der anderen Seite wirksam sicherstellen, dass es nach 24h keine Überschreitung der Grenzwerte mehr gibt. Man sollte das vorsätzliche Lärm erzeugen über das herkömmliche Gespräch hinaus unter empfindliche und leicht vollstreckbare Strafen stellen. Packt z.B. jemand nachts um 2h eine Bassbox aus, dann soll ihn das bitte keine 50, sondern gerne 500 Euro kosten und die Box muss beim ersten Einsatz bereits konfisziert werden dürfen, damit die nicht 20 Minuten später um die nächste Ecke wieder zum Einsatz kommt.
Das Recht zum Aufenthalt im öffentlichen Raum soll und kann nicht beschnitten werden. Wohl aber das Recht in diesem zu Lärmen und Party zu machen und die Möglichkeit diesen öffentlichen Raum 24/7 mit Alkohol zu fluten.
Grundsätzlich will auch niemand der in Köln aufgewachsen ist dem berühmten Kölner Büdchen was böses. Das gehört genauso wie das Wegebier, das man bei uns trinken kann, ohne schräg angeguckt zu werden, zum Kölner Kulturgut. Aber das Wegebier war ein Wegebier und keine Open-Air-Party. Und das Kölner Büdchen war ein Tante-Emma-Laden, wo Du neben nem Bierchen auch ne Rolle Klopapier oder ne Packung Spagetti bekommen hast, wenn der Weg zum Supermarkt nicht geklappt hat. Die hatten einen sozialen Mehrwert und haben aber auch irgendwann am späteren Abend dicht gemacht, um am nächsten Morgen mit Mettbrötchen wieder aufzumachen. Was wir heute in den zentralen Lagen mehrheitlich haben, hat damit jedoch nichts mehr zu tun. Das sind ganz klar zum einen dreimal so viele wie früher und zum anderen machen die nichts anderes mehr als 24/7 Alkohol auf die Straße zu verkaufen, da kriegst Du inzwischen meist nicht mal mehr ne Zeitung. DAS ist nicht unser Kulturgut. Und hier muss gewerberechtlich endlich eine klare Zuordnung zum Einzelhandel her und entsprechende Ladenschlusszeiten. Dieses Zwitterwesen aus gastronomisch einsortierter Trinkhalle ohne gastronomische Auflagen muss endlich beendet werden. Wer nach 24h mehr will, als sich mit nem Kumpel auf n Bier ans Mäuerchen zu setzen, wer richtig Party machen will, der soll dann bitte in die Gastro, da geht das sozial verträglich, ohne die Leute zu nerven, die nachts schlafen müssen, weil sie morgens wieder aufstehen und zum Job gehen.
So in etwa könnte eine Regelung aussehen, die sowohl den Nachtaktiven Menschen, der Gastronomie und den ruhebedürftigen Anwohnern eine Perspektive geben würde.
Dafür braucht es aber eine gemeinsame Initiative all dieser Akteure mit einem möglichst breit aufgestellten Bündnis aus der Politik unserer Stadt, um dies in den Landtag zu bringen.

So, das war ne Menge Text, aber hoffentlich war es einigermaßen anregend, für die, die sich hier durchgekämpft haben.

Bleibt Grade!
Eure Gastro im Kwartier Latäng

Adresse

Kyffhäuserstr 23
Cologne
50674

Öffnungszeiten

Montag 18:00 - 05:00
Dienstag 18:00 - 05:00
Mittwoch 18:00 - 05:00
Donnerstag 18:00 - 05:00
Freitag 18:00 - 06:00
Samstag 18:00 - 06:00
Sonntag 18:00 - 01:00

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