26/06/2026
Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Gäste, Liebe Kollegen,
Wenn man sich manche der „Ideen“ aus Berlin anhört, muss man sich ernsthaft fragen, in welcher Welt diese Entscheidungen getroffen werden. Was wir nach sechs entbehrungsreichen Jahren sicher nicht brauchen, sind weitere realitätsferne Vorschläge, die unsere Situation weiter verschärfen.
Die Rückkehr zu den 7 % Mehrwertsteuer war ein wichtiger Schritt. Dies hat uns in Berkheim seit dem Jahreswechsel geholfen die Preise stabil zu halten und sogar diese in einigen Bereichen moderat zu senken.
Viele Menschen aus unserer Branche haben dafür gekämpft und verdienen Respekt. Umso mehr hoffen wir, dass wir diese Diskussion nicht schon bald wieder führen müssen. Wenn Wirtschaftsweise Monika Schnitzer jetzt ernsthaft fordert, die 7 % Mehrwertsteuer für die Gastronomie abzuschaffen, wirkt das auf uns nur noch komplett an der Lebenswirklichkeit vorbei. Diese Debatte hat mit unserer Wirklichkeit rein gar nichts mehr zu tun. Für uns sind die 7 % keine „Subvention“, sondern die letzte Überlebenslinie. Wir kämpfen seit Jahren mit explodierenden Kosten – Personal, Lebensmittel, Energie. Jeder, der selbst einen Betrieb führt, weiß, wie knapp die Margen sind. Wer behauptet, die 7 % würden den kleinen Landgasthöfen nichts bringen, hat entweder noch nie einen Fuß in einen echten Familienbetrieb gesetzt oder versteht die Lebenswirklichkeit der Menschen nicht mehr. Wenn die Steuer auf 19 % steigt, trifft es nicht die großen Ketten. Es trifft uns – die Familien, die seit Jahrzehnten Herzblut in ihre Häuser stecken. Es trifft die Dorfgemeinschaft, die Vereine, die Stammtische, die Feste. Diese Orte verschwinden, wenn man ihnen weiterhin die Basis entzieht, auf der sie seit Generationen stehen.
Minijobs: Noch ein Beweis, wie weit die Hauptstadt von der Realität entfernt ist.
Als wäre die Mehrwertsteuerdebatte nicht schon absurd genug, kommt jetzt die nächste Idee aus Berlin von der Rentenkommission: die Verschärfung der Minijob Regelungen. Ganz ehrlich: Wer solche Vorschläge macht, hat von Alltag in der Gastronomie keinerlei Ahnung. Wir arbeiten nicht nach festen Bürozeiten. Wir arbeiten mit Wetter, mit Feiertagen, mit spontanen Bus-Reservierungen, mit Hochzeiten, Beerdigungen und schönen Abenden, an denen plötzlich Biergarten voll ist. Ohne Minijobber wäre das alles nicht machbar. Unsere Aushilfen – Rentner, Schüler, Hausfrauen, Industriearbeiter einfach alle Menschen, die man bei uns antrifft, die sich etwas dazuverdienen wollen oder müssen – sind das Rückgrat unsere Betriebe. Sie wollen flexibel arbeiten. Und wir brauchen diese Flexibilität genauso dringend. Ein Schüler rettet uns nicht die Abendservice, wenn es voll wird. Und er schmeißt auch nicht allein den Tresen, wenn alle Reservierungen mal wieder gleichzeitig kommen, wie von Berlin angedacht.
Für uns als Familienbetrieb wäre die Kombination aus 19 % Mehrwertsteuer und dem Wegfall der Minijobs ein echter Todesstoß. Nicht als Phrase, sondern real: geschlossene Türen, verlorene Arbeitsplätze, weniger Treffpunkte in unseren Dörfern und Städten. Wir haben Krisen überstanden, investiert und modernisiert – aber irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem ein Betrieb nicht mehr kann. Genau dort stehen wir, wenn diese politischen Ideen Realität werden.
Unsere Branche ist nicht perfekt – das weiß jeder, der täglich in ihr arbeitet. Wir haben unsere eigenen Baustellen, und wir tragen Verantwortung dafür, sie zu lösen. Doch gerade, weil wir unsere Schwachstellen kennen und jeden Tag hart arbeiten, trifft uns die aktuelle politische Entwicklung besonders. In einer Zeit, in der wir immer noch mit massivem Fachkräftemangel kämpfen und nach sechs Krisenjahren mit Corona und seinem Verordnungschaos, die Energiekrise, das ständige Hin und Her bei der Mehrwertsteuer, ausufernde Bürokratie, steigende Kosten und jetzt die neuen Diskussionen rund um Minijobs und Mehrwertsteuer – all das hat eine Branche getroffen, die ohnehin am Limit ist – und jetzt folgen politische Entscheidungen, die uns zusätzlich an den Rand der Belastbarkeit treiben.
Mein Appell an die Politik: Kommt vorbei, arbeitet einen Tag mit uns, erlebt, wie viel Herzblut, wie viel Stress und wie viel Verantwortung in einem Familienbetrieb steckt. Trefft Entscheidungen nicht aus dem Elfenbeinturm, sondern mit Praxisnähe und Respekt vor dem, was hier geleistet wird. Wir wollen weiter Gastgeber sein – für unsere Region, unsere Vereine, unsere Dorfgemeinschaft. Dafür brauchen wir faire Rahmenbedingungen, keine theoretischen Rechenspiele.
Ihre Familie Mair-Engel und das gesamte Team