08/07/2013
SCHLUSSAKKORD
Liebe Freunde der Unsagbar, liebe Gäste,
Ihr erinnert Euch sicherlich an unseren Aufruf im letzten Herbst zur aktuellen Situation. Es gab damals Probleme aufgrund der Lärm- und Schmutzbelästigung vor allem in der Karlstraße bzw. im näheren Umfeld um die Bar. Ob diese durch unsere Gäste oder durch andere Personen (Zaungäste) verursacht wurden, schien schon damals und scheint erst Recht aus heutiger Sicht müßig festzustellen. In vorauseilendem Gehorsam haben wir uns aber aufgrund der kritischen Lage entschieden einem Bescheid des Ordnungsamts vorweg zu greifen und vorerst keine Veranstaltungen mehr durchzuführen, d.h. uns voll uns ganz auf den regulären Barbetrieb zu beschränken, um die Situation zu beruhigen. Diese Maßnahme hat gut gegriffen, die befürchteten Auflagen erhielten wir aber bedauerlicherweise auch trotz unseres freiwilligen Zurückruderns, was den kostendeckenden Betrieb der Bar an eine kritische Grenze gebracht hat. Einige Auflagen konnten wir in einem sehr konstruktiven Gespräch mit dem Leiter des Ordnungsamts korrigieren, weshalb wir im Januar nach einer mehrwöchigen Pause vorsichtig optimistisch ins neue Jahr gestartet sind. Leider mussten wir seitdem feststellen, dass das Interesse an der Unsagbar seit der Auflage zum Verbot von Veranstaltungen nach 22:00 Uhr massiv gesunken ist, da diese die Durchführung von Live-Konzerten an die Grenze der Sinnhaftigkeit bringt und uns überdies kategorisch die Möglichkeit nimmt DJs weiterhin eine einzigartige Plattform in Aschaffenburg zu bieten. Der im letzten Herbst errichtete Zaun zwischen dem alten Norma-Gelände und der Unsagbar als mutmaßlicher Auslöser der Lärmbelastung in der Karlstraße sowie das Getränkeverbot vor der Bar auch unter unserer Pergola runden offensichtlich die gesunkene Attraktivität ab. Die Lage wurde somit zwar tatsächlich beruhigt, aber man ist weit über das Ziel hinausgeschossen. Das Ganze entwickelte als negative Rückkopplung eine katastrophale Eigendynamik im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung: es kamen schließlich weniger, weil weniger kamen und weil noch weniger kamen, kam am Ende erst Recht kaum noch jemand. Und wer dann doch noch hier und da vorbei kam, ging gleich wieder, weil ohnehin keiner da war. Die für uns äußerst kostspieligen Auflagen wie z.B. die Notwendigkeit eines Türstehers für eine Handvoll Gäste blieben jedoch bestehen.
Wir haben bis zum Schluss unser Möglichstes gegeben, um die Unsagbar als unersetzliche Institution in Aschaffenburg zu erhalten, denn sie ist uns eng an unser Herz gewachsen. Schließlich wissen wir genau, dass ein zentrales Stück Aschaffenburger (Sub)kultur unwiederbringlich verloren sein wird, sobald sich die Türen der Bar für immer schließen. Authentizität, Charme und Patina können niemals künstlich hergestellt werden – und das gewachsene Ganze ist mit all seinen Ecken und Kanten letztendlich immer mehr als die Summe seiner Teile. Trotzdem mussten wir uns allein aufgrund der katastrophalen wirtschaftlichen Entwicklung des letzten halben Jahres und der fehlenden Perspektive auf Besserung in der Zukunft dazu entschließen, definitiv das Ende der Unsagbar einzuleiten. Für die restliche Laufzeit werden wir die Bar zur finanziellen Schadensbegrenzung nur noch unregelmäßig und in erster Linie zu besonderen Anlässen öffnen bzw. auch gerne für private Feiern zur Verfügung zu stellen. Daher bitten wir Euch auf unsere aktuellen Facebook-Ankündigungen zu achten bzw. uns bei Interesse ggf. hier anzuschreiben. Es tut uns sehr weh dies hier zu verkünden, aber wir hatten keine andere Wahl, sofern wir nicht selbst in den finanziellen Ruin gezogen werden wollten. Wir behalten die Unsagbar dennoch in schöner Erinnerung - auch wenn es bedauerlich ist zu wissen, dass schon bald viele sentimentale Stimmen fragen werden, weshalb es so weit kommen musste und weshalb es in Aschaffenburg keine gewachsenen Kneipen mehr gibt.
Woran lag es also am Ende? die strengen Auflagen sind das eine, die Tatsache, dass früher sehr viele kamen und jetzt kaum noch jemand kommt ist das andere. Und beides bedingt sich gegenseitig. Und beides hat das Ende markiert.