03/12/2025
Johannes Amadeus Golznig wurde 1936 im Gurgtal in Kärnten
geboren. Früh zog es ihn zur Sprache und zur Bühne. Nach dem
Max-Reinhardt-Seminar folgten Engagements in Luzern, Basel,
Düsseldorf und vor allem in Berlin. Er war ein gefragter Schauspieler,
ein Star seiner Zeit – ein Künstler, dessen Gegenwart auf der Bühne
Menschen anzog und prägte.
Später arbeitete Golznig als Filmdramaturg in München. Dann
unterbrachen Krankheiten diesen Weg. Ein Schlaganfall nahm ihm die
Stimme, weitere schwere gesundheitliche Einschnitte folgten. Der
öffentliche Theaterraum schloss sich, doch der innere Raum der Kunst
blieb offen. Golznig verlor nicht seine Würde und nicht seine
künstlerische Haltung. Was sich änderte, war die Form seiner Arbeit.
Er studierte Kunstgeschichte und Literatur und schrieb Gedichte und
Prosatexte. Sein Schreiben wurde zu einer konzentrierten, nach innen
gerichteten Arbeit, oft mit der Eindringlichkeit von Tagebuchblättern.
1993 erschien bei Unipress Salzburg der Band „Evan – Ein Leben.
Johannes Amadeus Golznig“, herausgegeben von Günther Witzany.
Dieses Buch versammelt Texte, in denen Erfahrungen von Einsamkeit,
Glauben, Zweifel und Zuneigung eine klare, eigenständige Sprache
finden.
Sein bildnerisches Werk entsteht unter Bedingungen, die kaum Raum
für Kunst zu lassen scheinen: in geschlossenen Abteilungen in Linz
und Salzburg, in einer Umgebung ohne verfügbares Material. Und
doch beginnt Golznig zu batzen – so nannte er es selbst. Er bestand
darauf, dass seine Werke „gebatzt und nicht gemalt“ seien. Aus dem
Wenigen, das vorhanden war, entstanden erste Arbeiten wie „Fenster
in den Dschungel“ (ca. 1963–1965). Diese Bilder sind nicht laut. Sie
tragen eine stille, manchmal strenge Lyrik in sich und richten den Blick
auf das Fragile.
Zeitungsartikel, etwa von Anja Stiller-Reimpell in den Salzburger
Nachrichten und von Christian Schweinöster im Kurier, zeichnen das
Bild eines Künstlers, dessen biografische Brüche sichtbar sind – aber
auch eines Menschen, der seine Ausdrucksformen nicht aufgab.
Golznig starb am 11. September 1993 in Salzburg, verarmt und
weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwunden. Geblieben ist ein
Werk, das weder laut sein will noch sich anbiedert. Es sucht Nähe über
Genauigkeit, in der Sprache, im Bild, im Blick auf das Zerbrechliche.
Wer sich Zeit nimmt, entdeckt hinter dieser Bruchkante keinen
verlorenen Künstler, sondern einen, der seine Mittel verwandelte: von
der Stimme auf der Bühne zur Stimme auf Papier und auf der
Bildfläche. In seinen Texten und seinen gebatzten Arbeiten bleibt diese
Stimme hör- und sichtbar.
Heute, 33 Jahre nach seinem Tod, widmen wir im Shakespeare
Salzburg Johannes Amadeus Golznig eine Ausstellung. Sie versteht
sich nicht als nachträgliche Rettung, sondern als klare Anerkennung.
Wir ehren damit sein Werk und das, was wir durch dieses Werk an
Bereicherung erfahren – wenn wir das Glück haben, aufmerksam
genug zu sein.