03/04/2013
"Heiliger Strohsack!" entfuhr es dem Privatier von Sigis Gnaden und Neo-Gemeinderat Walter von Anhalt (ehemals von Barprojekt) und er ärgerte sich gleich wieder über seinen Fluch, weil er ihn immer unweigerlich an die heraufdräuende Konkurrenz aus Kleinsemmering erinnerte. Nachdem ihm der Baraus gemacht worden war, hatte der gute Walter ein Einsehen und entschloss sich dazu, gegen den Strom nur mehr in seiner neuen Gegenstromanlage im Pool seiner neuen Pfauengartensiedlungspenthousewohnung zu schwimmen und sich ansonsten stark zurückzunehmen und nicht mehr aufzumucken. Schließlich ist es seiner neuen Partei so einiges wert, dass der Walter und das ganze linke Gesindel, das er anzieht, wie eine Straßenlaterne das Ungeziefer, die Füße stillhalten. Das ist in diesem Fall sozusagen auch schon eine Leistung. Und die kann, nein, muss sich bekanntlich lohnen.
Aber warum hat es den Walter in seinem Gemeinderatssitz jetzt gar so hergerissen? Nun, ein grundsätzliches Unwohlsein konnte er schon die vergangenen Wochen nicht leugnen. Mit ihm war so ein Neuer aus einer neuen Partei in den Gemeinderat eingezogen. Und als ob eine neue Partei nicht schon schlimm genug gewesen wäre, nennen sich diese Basis-Chaoten auch noch Piraten! Nichts mit christlich, sozial oder seinetwegen noch freiheitlich. Nein, Seeräuber dienen diesen Lu...Hu...Dumpen als Vorbilder. Da wird dem Walter immer ganz übel und es kommen ihm fast die nicht zu verachtende Stelze und das eigentlich schon wieder ausgedünstete Seiterl vom Landhauskeller wieder hoch. Was wollen diese Piraten denn noch alles? Transparenz, na gut, das wollen ja er und seine Parteifreunde auch. Zumindest bei den anderen. Hier, findet der Walter, wäre - wenn es denn möglich wäre - gendern angebracht, weil er sich das mit der Transparenz meistens bei den leider sehr intransparenten Kostümen der leider viel zu wenigen Gemeinderätinnen denkt, aber das ist wieder eines der vielen anderen Kapitel, die ihm den lieben langen Tag im Dienste der Bürgerinnen und Bürger durch den Kopf gehen. Also: Transparenz! (Der Schönsprechtrainer hatte ihm gesagt, dass er Transparenz immer vehement befürworten und in seine Antwort-Gsatzerln einbauen müsste, die er völlig ungeachtet eventuell gestellter Fragen wie eine Karfreitagslitanei herunterbeten sollte.)
"Transparenz, meine Damen und Herren! Meine Transparenz, Ihre Transparenz, die Transparenz anderer Leute! Das muss unser gemeinsames Ziel sein. Das ist wichtig und richtig. Ich bin einer, der immer schon gesagt hat, dass er sich voll und ganz für die Transparenz einsetzt. Transparenz ist das Gebot der Stunde! Es darf nicht mehr sein, dass jemand un- oder äh vielmehr intransparent agiert! Ich setze mich auch für die Transparenztransparenz ein, damit die Transparenzbeauftragten des Parkraumservice - die Burschen und Mädels vom Mario - selbst transparent patrouillieren und kontrollieren, dass sie in ihren neuen signalfarbenen Uniformen wie Leuchttürme der Transparenz durch die Gassen schreiten! Helfen Sie mit, liebe Bürgerinnen und Bürger, damit unsere wunderschöne Stadt, unser geliebtes Graz, noch transparenter wird, als es schon ist. Graz, City of Transparency!" [tosender Applaus] So stellte sich der Walter sich selbst vor, wie er vom Balkon des Rathauses als neuer Bürgermeister zu seinem ihm gierig lauschenden Volke sprach und lehnte sich mit einem zufriedenen Lächeln in seinen Gemeinderatssitz zurück.
Aber jetzt war er schon wieder abgeschweift. Verdammtes Aufmerksamkeitsdefizit, verfluchtes! Eigentlich hatte ihn ja die Forderung dieser Freibeuter aus dem Sitz gehoben. Live-Stream aus dem Gemeinderat wollen die!? Bitte, gehts noch ärger??? Gibt es denn gar keine Privatsphäre mehr? Infiltration! Überwachung! Was geht das den gemeinen Surfer im Internet drin an, wie lange die Gemeinderäte die Seite 7 ihrer Lieblingszeitung aufgeschlagen haben? Eingriff in die Bürger- äh Gemeinderäterechte! Man kann es mit der Transparenz auch übertreiben! Video-Übertragung aus dem Gemeinderat. Noch dazu live und ungeschnitten. Das wären ja Zustände wie im steirischen Landtag oder in Wels, Linz oder Salzburg! Da könnte ja jeder nicht daherkommen! Und trotzdem zusehen und -hören. Ein Skandal!
Also bitte, liebe Bürgerinnen und Bürger der City of Transparency, bitte, bitte, bitte unterschreibt auf gar keinen Fall die Petition dieser Jungspunde!
www.openpetition.de/petition/online/wir-fordern-die-uebertragungen-der-grazer-gemeinderatssitzungen-ins-internet und www.kamerascheu.at