30/05/2023
Auch wenn ich nur 15 Jahre im Ausland war, ist für mich wirklich eine komplett neue Wahrnehmung wieder zurück in Europa zu sein. Es kommt mir vor wie eine Zeitreise, natürlich haben wir uns alle selbst auch ein bisschen verändert und einiges erleben dürfen in der Zwischenzeit, jedoch ist der Eindruck in Deutschland gravierender - weil man ja hier aufgewachsen ist! Ich bin in den 70 -80er Jahren aufgewachsen, meine Eltern waren eine klassische Generation, die zwar sparsam war - aber dennoch immer bestens versorgt waren. Ich erinnere mich dunkel, dass mein Vater ca. 4–5000 DM als medizinischer Klinik-Chef hatte. Schon damals achtete meine Mutter auf gesunde Ernährung, meist kaufte sie vom Reformhaus und direkt vom Bauern. Von dem Gehalt bezahlte er eine tolle Dienstwohnung, ein Ferienhäuschen auf dem Lande, ein zeitgemäßes Auto (meist Mercedes) und ich durfte mit 3 Geschwistern wohlgehütet aufwachsen. Die Welt war in Ordnung, Social Media war nicht existent und die Zeitung las man noch in der Papierversion. Die deutsche Bahn war überall, auch auf den Dörfern (wo wir ein Ferienhaus hatten) und sogar auch pünktlich. Menschen die nicht das gleiche Gehalt hatten wie bei uns, bauten eben mit Freunden und Bekannten ein Einfamilienhäuschen, alle Freunde und Bekannte halfen mit und erwarteten neben den Grill Parties keine finanziellen Geschenke, sondern Freundschaft. Jeder half auf die Art wie er konnte. Mein Vater hatte hunderte von Freunden und Bekannten immer umsonst behandelt und wenn er Musterpackungen von Medikamenten bekam, hat er sie fleißig verschenkt, an die welche sie brauchten.
Meine spätere Ex-Frau war ähnlich, sie konnte Menschen ansehen, wenn sie Probleme hatten und traf mit Ihren Diagnosen (Fast) immer ins Schwarze. In der eigenen Praxis, die wir an der Ostsee eröffnen durften und wo auch unsere Kinder aufwuchsen, konnten Patienten mit oder ohne Krankenkarte behandelt werden. Privatversicherte mussten genauso lange warten wie ein Kassenpatient. Ich konnte mich um Haus, Kinder und Patienten kümmern - bis zu dem Tag als unsere Beziehung in die Brüche ging. Davon ab, war die Bahn noch immer pünktlich, aber auf den Dörfern gab es schon keine Verbindungen mehr… Ich bin nach China gegangen um ein neues Leben zu beginnen und um nicht um Kinder, Haus und Hof streiten zu müssen - den Rosenkrieg vermeiden.
Letzten Sommer bin ich nach Corona zurück nach Deutschland gekommen, nach drei Jahren Ausnahmezustand in China (ohne das Land verlassen zu können) habe ich mich wirklich gefreut wieder in die Heimat zu können, wo ich meine Familie vermisste (natürlich war ich meist zweimal jährlich da, konnte Zeit mit Kindern und Verwandtschaft verbringen- da nimmt man das Land aber kaum wahr). ES IST WIE EINE ZEITREISE GEWORDEN! Diese 15 Jahre sind etwas was einem mehr auffallen lässt wie sich alles verändert hat!
Ich durfte sehen wie China sich aus einem fast noch "Dritte Welt Land" in eines der fortschrittlichsten Länder der Welt verändert hat. Die Bahn hat in den letzten 10 Jahren vielleicht 2 mal 2–5 Minuten Verspätung gehabt. Im Schnitt fährt die Bahn dort mit 280km/h, also schon etwas gedrosselt zu dem was sie könnte.
Ich habe Dörfer mit Einwohnerzahlen wie Hamburg erlebt, die Strassenzüge abgerissen haben (die Menschen die Ihre Häuser verloren haben, haben neue Häuser vom Staat bekommen, mit 20% mehr Wohnraum, als Entschädigung) um den Verkehr verbessern zu können, ich habe erlebt wie ein Land viele Millionen Menschen in den Wohlstand geführt haben und fast die Armut abgeschafft haben (auf jeden Fall minimiert zu wenigen Prozent) ohne ein Sozialsystem aufzubauen. Natürlich gibt es auch dort viele Schattenseiten, benachteiligte Volksgruppen und Religionen, aber im grossen Ganzen ein echter Erfolg!
Nun zurück in Deutschland habe ich Rentner in Mülltonnen wühlen sehen, es gibt keine echten Postfilialen mehr, Menschen tragen kaum noch Hüte und sind ziemlich komisch. Hilfsbereitschaft sieht man kaum, Freundschaft klingt eher nach - ach wir sehen bald wieder… Ein Arbeiter kann keine Familie mehr alleine ernähren… Es beginnt komisch zu werden… Ich weiss nicht mehr wo ich hingehöre!