02/10/2024
Wenn ein Mensch fühlen könnte, was ein anderer Mensch fühlt, dann würde er vielleicht aufhören, den anderen zu verletzen.
J. K. Rowling
Die Oberfläche des Zitats liest sich als sehr schlüssig, wohlwollend und emphatisch. Diese Worte vermitteln Harmonie und Frieden. Dies war sicher die Absicht von J. K. Rowling, der Autorin von Harry Potter, und wird von vielen Menschen sicherlich so verstanden.
Während der Auseinandersetzung mit der Tiefenstruktur dieses Zitats konnte ich Folgendes feststellen:
1 „Wenn ein Mensch (A) fühlen könnte, was ein anderer Mensch (B) fühlt" Diese Voraussetzung kann unter der Prämisse, dass alle Menschen ihre eigene Realität haben, nie eintreffen. Menschen sind in ihrer Wahrnehmung jeder für sich einzigartig. Es gibt verschiedene Umstände, Art der und Dauer der Beziehung oder Intuition, in denen die Annahme, was das Gegenüber fühlt, zutreffend sein kann.
2 „Dann würde er vielleicht aufhören, den anderen zu verletzen“ Mensch (B) offenbart den Wunsch, nicht verletzt zu werden. Gleichzeitig überträgt Mensch (B) die Verantwortung des Nichtverletztwerdens auf Mensch (A) und nimmt die Selbstfürsorge sich selbst gegenüber nicht wahr. Mensch (B) wird angehalten, sich so zu verhalten, dass Mensch (B) nicht verletzt wird.
Die Auseinandersetzung basiert auf einer Interaktion von zwei Menschen. Es ist eine Wechselwirkung festzustellen. Mensch (B) passt sich Mensch (A) an und umgekehrt würde dasselbe stattfinden. Wenn dies auf ein grösseres System übertragen wird, so müssten sich alle Menschen permanent anpassen in der mit anderen Menschen Interaktion. Es wäre nicht mehr möglich, authentisch zu sein. Es wird sichtbar, wie wichtig es ist, die Selbstfürsorge wahrzunehmen und dafür einzustehen. Selbstfürsorge ist ein Teil der Authentizität.
Ich habe diese Zitat auf einer Online-Plattform gelesen und gesehen, wie viele Menschen einfach „gefällt mir“ klicken oder befürwortende Kommentare dazu schreiben. Ich habe mich darüber erschrocken.